Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.
Die Stimmung hebt sich, die Aufträge kommen zurück... und genau deshalb wird der Einkauf teurer. Was in den Konjunkturkurven nach Erholung aussieht, steht auf der Materialrechnung schon als Aufschlag. Das ist Ihr Dienstag.
Guten Morgen. Heute ist Dienstag, der 11. August 2026, und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet... in unter sechs Minuten.
Fangen wir beim Einkauf an, denn dort schlägt zuerst auf, was anderswo noch Statistik ist. Die deutschen Importpreise lagen im Juni um sechs Komma eins Prozent über dem Vorjahr, meldet Destatis. Und der Treiber ist diesmal nicht die Energie allein: Vorleistungsgüter, also alles, was in die Produktion fließt, zogen deutlich stärker an als der Gesamtindex. Kupfer liegt rund dreißig Prozent höher als vor einem Jahr, Kunststoffe folgen dicht dahinter. Für einen Betrieb, der auf Metalle oder Halbzeug angewiesen ist, ist das keine ferne Nachricht, sondern die Marge des laufenden Auftrags. Das Tückische an dieser Art Teuerung ist ihr Timing: Sie kommt zurück, gerade wenn die Auftragslage sich bessert... und man am wenigsten geneigt ist, hinzusehen. Wer mit Vorjahrespreisen kalkuliert, rechnet mit einer Welt, die es an der Einkaufsfront nicht mehr gibt. Die genauen Materialgruppen stehen in den Shownotes.
Diese Verteuerung hat ein Echo, und das kommt morgen. Nach der vorläufigen Schätzung springt die Inflationsrate im Juli auf zwei Komma acht Prozent, nach zwei Komma drei im Juni. Fast der gesamte Sprung stammt aus der Energie, die gegenüber dem Vorjahr kräftig zulegt. Die endgültigen Zahlen veröffentlicht Destatis noch in dieser Woche. Das klingt nach einem Termin für Volkswirte... ist aber einer für alle mit einer Preisgleitklausel im Vertrag oder einer offenen Lohnrunde auf dem Tisch. Denn eine Inflationszahl ist nicht nur Rückblick: An sie sind Indexverträge gekoppelt, auf sie berufen sich Gewerkschaften, mit ihr rechtfertigen Lieferanten die nächste Anpassung. Ein Sprung dieser Größe verändert den Ausgangspunkt jeder dieser Gespräche. Selten greift ein Statistiktermin so direkt in laufende Verhandlungen ein wie dieser.
Und über all dem liegt eine Stimmung, die sich erholt, aber die Erholung selbst noch nicht ist. Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer stieg im Juli um vier Punkte, branchenübergreifend, im Verarbeitenden Gewerbe besonders kräftig. Das ist die gute Nachricht. Die andere steht daneben: Der Index bleibt tief im Minus, deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt, und die Beschäftigungserwartungen heben sich nur zaghaft. Bessere Laune... ist eben noch keine bessere Lage. Der Abstand zwischen beiden ist genau die Zone, in der Investitionsentscheidungen heikel werden: Wer die Aufhellung für eine Trendwende nimmt und danach investiert, wettet auf eine Erholung, die die Zahlen noch nicht bestätigen. Wer sie ignoriert, verpasst womöglich den Moment. Zwischen diesen beiden Fehlern liegt die eigentliche unternehmerische Frage dieser Woche, und sie hat keine bequeme Antwort.
Kurz notiert.
Erstens: Ab Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf vierzehn Euro sechzig pro Stunde. Für Betriebe mit Beschäftigten nahe der Lohnuntergrenze oder Minijobs in der Planung verschiebt das die Personalkosten spürbar, und zwar früher, als der Januar vermuten lässt.
Zweitens: Das BAFA nimmt seit Herbst keine Unternehmensberichte nach dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz mehr an, die Berichtspflicht ist faktisch ausgesetzt. Zulieferer großer Konzerne bleiben allerdings indirekt in der Pflicht, weil die Auftraggeber ihre eigenen Nachweisketten weiterführen.
Und drittens: Die Industrie hat 2025 netto über hundertsiebzigtausend sozialversicherungspflichtige Stellen verloren. Für Betriebe mit industriellen Kunden oder Lieferanten ist das die schrumpfende Kapazität hinter der besseren Stimmung.
Die Zahl des Tages: zehn Komma drei Prozent. Um so viel sind die Importpreise für Vorleistungsgüter im Juni gegenüber dem Vorjahr gestiegen, also für alles, was in die Fertigung geht: Metalle, Halbzeug, Chemikalien, Kunststoffe. Das ist die Zahl hinter der Zahl aus der ersten Meldung, und einzelne Materialien wie Kupfer stehen noch deutlich darüber. Sie erklärt, warum ein voller Auftragseingang und eine dünne Marge derzeit gut zusammenpassen: Der Umsatz kommt zurück... aber ein größerer Teil davon bleibt im Einkauf hängen als noch vor einem Jahr.
Eine Sache noch. Noch in dieser Woche die endgültigen Inflationszahlen. Für einmal ist der Statistiktermin kein Hintergrundrauschen, sondern der Datenpunkt, auf den sich Indexklauseln, Angebote und Lohngespräche berufen werden. Ein kurzer Blick lohnt, bevor die nächste Runde beginnt.
Das war der Morning Brief. Alle Quellen und Details in den Shownotes. Morgen früh um sechs sind wir wieder da. Der Morning Brief von Wirtschaftsforum... Unter sechs Minuten. Auf Stand.