Morning Brief
Kabinettsklausur

Versprechen auf dem Prüfstand

Kabinettsklausur Neuhardenberg · Rhein-Niedrigwasser ohne Entwarnung · Energie: Großhandel entspannt, Rechnung nicht

Erschienen am 6:31 Min.Folge 39

Dienstag, 25. August 2026
Versprechen auf dem Prüfstand
0:006:31
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Kabinettsklausur Neuhardenberg

Das Bundeskabinett tagt am 25. und 26. August 2026 auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg. Bundeskanzler Merz hat Tempo bei der Umsetzung der vor der Sommerpause beschlossenen Reformen angekündigt (Steuern, Rente, Entbürokratisierung, Digitalisierung). Der BVMW fordert anlässlich der Klausur die Aufhebung des Antragsstopps bei der Innovationsförderung. Abschlusspressekonferenz mit Merz, Klingbeil und Dobrindt: Mittwoch, 26. August 2026.

Laut einer Befragung der Stiftung Familienunternehmen / DZ-Bank waren im Frühjahr 2026 noch 62 Prozent der befragten Firmeninhaber zuversichtlich; zuletzt waren es nur noch 39 Prozent.

Rhein-Niedrigwasser

Pegel Kaub (Stand 18./19. August 2026): rund 11 bis 14 Zentimeter nach zwischenzeitlichem Tiefstand von 5 Zentimetern (17. August 2026, historischer Rekord seit Aufzeichnungsbeginn 1880; bisheriger Rekord 2018: 25 Zentimeter). BDB-Prognose (19. August 2026): bis Freitag, 28. August, höchstens 41 Zentimeter erwartet. Spürbare Entspannung erst ab 77 Zentimetern (gleichwertiger Wasserstand).

  • Frachtrate Amsterdam/Rotterdam/Antwerpen nach Karlsruhe (Argus): 215 Euro je Tonne (Allzeithoch seit 2012); April 2025: rund 55 Euro je Tonne
  • Laut DIHK müssen Binnenschiffe bis zu 75 Prozent weniger Fracht transportieren
  • Mehr als 80 Prozent des deutschen Güterschiffsverkehrs laufen über den Rhein (Destatis)
  • Chemie-, Stahl- und Mineralölindustrie am stärksten betroffen

Aktuelle Pegelstände: ELWIS / WSV, Pegel Kaub

Energiepreise Großhandel und Betrieb

BDEW Quick-Check (18. August 2026): Großhandelspreise für Gas und Strom haben sich gegenüber März 2026 entspannt, bleiben aber volatil. Keine physische Gasmangellage.

  • Börsenstrompreis Großhandel August 2026 (Durchschnitt): rund 92 Euro/MWh (Vorjahr: rund 84 Euro; Krisenspitze März 2026: bis zu 140 Euro/MWh)
  • Gaspreis Großhandel TTF August 2026: rund 48 Euro/MWh (rund 37 Prozent über Vorjahreswert)
  • Europäischer Gaspreis Krisenspitze: bis zu 59 Euro/MWh (rund 64 Prozent über Januar/Februar-Schnitt)
  • Neukundenpreis Strom Gewerbe/Haushalt August 2026: rund 24,5 bis 26 Cent/kWh (je nach Quelle; Januar 2026: 23,84 Cent; April-Peak 2026: 27,24 Cent)
  • Bestandskundenpreis Strom: rund 31,1 Cent/kWh
  • Neukundenpreis Gas: rund 10,1 Cent/kWh (Stand 20. August 2026, Verivox)
  • Industriestrom-Entlastungsinstrument der Bundesregierung: rund 1,5 Milliarden Euro für circa 340 energieintensive Unternehmen

Die Zahl des Tages

Von knapp 104 Milliarden Euro (2025) auf gut 198 Milliarden Euro (2030). Laut IW-Simulation steigt das BIP 2026 um 0,7 Prozent und 2027 um 0,9 Prozent. Kumulierter BIP-Effekt bis 2030: rund 96 Milliarden Euro. Staatsverschuldung steigt bis 2030 um rund 64 Milliarden Euro zusätzlich. In deutschen Verteidigungsausgaben fließen nur rund 2 Prozent in Forschung und Entwicklung (USA: 16 Prozent).

Kurz notiert: Quellen und Hintergründe

TranskriptDen gesprochenen Text der Folge lesen

Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.

Die Regierung zieht sich nach Brandenburg zurück, um über Wachstum zu reden. Der Rhein liefert gerade den Gegenbeweis: Frachter kommen nicht durch, Preise brechen Rekorde. Und im Energiemarkt ist die Entspannung an den Börsen noch nicht auf den Rechnungen angekommen.

Zwischen dem, was angekündigt wird, und dem, was im Betrieb ankommt, liegt in diesem Sommer eine bemerkenswerte Lücke.

Das ist Ihr Dienstag.

Guten Morgen. Heute ist Dienstag, der 25. August 2026… und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet… in unter sechs Minuten.

Das Bundeskabinett tagt heute und morgen auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg. Merz hat das Treffen zur Chefsache erklärt: Wirtschaftswachstum und Beschäftigung seien „das wichtigste Thema", sagte er der Bild am Sonntag. Das Reformpaket aus der Zeit vor der Sommerpause, Steuern, Rente, Entbürokratisierung, Digitalisierung, soll jetzt zügig umgesetzt werden. Abschlusspressekonferenz ist für Mittwoch geplant.

Die Lücke zwischen Ankündigung und Wirkung ist bekannt… Die Zuversicht unter Firmeninhabern ist laut einer Befragung der Stiftung Familienunternehmen von 62 auf 39 Prozent gesunken, und der BVMW fordert anlässlich der Klausur konkret: den Antragsstopp bei der Innovationsförderung aufheben, jetzt. Neuhardenberg ist kein Gesetzgebungsverfahren. Die Ergebnisse vom Mittwoch zeigen, ob die Klausur etwas verändert oder nur beschreibt, was sich verändern soll. Bis dahin gilt: beobachten, nichts ändern.

Zweite Lücke, gleiches Muster: Der Rhein ist nach dem historischen Tiefstand Mitte August leicht gestiegen. Das klingt nach Entwarnung. Ist es nicht. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt erwartet bis Freitag keinen spürbar entspannten Pegel. Erst deutlich höhere Wasserstände würden die Schifffahrt nennenswert entlasten. Danach deuten die Prognosen erneut auf sinkende Pegel.

Mehr als 80 Prozent des deutschen Güterschiffsverkehrs läuft über den Rhein. Wer Chemie, Stahl oder Mineralöl transportiert oder von diesen Branchen bezieht, zahlt gerade mehr als das Dreifache der Normaltarife: Die Frachtrate von Rotterdam nach Karlsruhe liegt laut Argus bei 215 Euro je Tonne. Binnenschiffe fahren teils nur noch mit einem Bruchteil ihrer normalen Ladung.

Absichern, wo Verträge Preisanpassungsklauseln erlauben, und Alternativrouten prüfen, solange Straße und Schiene noch Kapazität haben.

Und dann etwas, das anders als die ersten beiden nicht auf eine Entscheidung in Berlin wartet. Der BDEW bestätigt zum Stand 18. August: Die Großhandelspreise für Strom und Gas haben sich gegenüber dem Iran-Kriegs-Peak im März 2026 wieder entspannt. Physische Gasmangellage: keine. Versorgung: gesichert.

Trotzdem lohnt ein genauer Blick auf die eigene Rechnung. Strom kostet im Großhandel derzeit rund 92 Euro je Megawattstunde, Gas liegt bei knapp 48 Euro je Megawattstunde. Beide Werte liegen spürbar über dem Vorjahresniveau, die genauen Vergleichszahlen in den Shownotes. Neukundenpreise im Gewerbe sind gegenüber dem März-Peak gesunken, aber gegenüber Januar 2026 gestiegen. Bestandskunden zahlen oft noch mehr, weil ältere Verträge die Preisspitze eingeschlossen haben. Wer Verträge in den nächsten Monaten neu verhandelt, tut das auf erhöhtem Niveau. Jetzt ist ein guter Moment, laufende Verträge auf Laufzeit und Preisformel zu prüfen.

Kurz notiert. Erstens: Das IW Köln erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von knapp einem Prozent. Kein Aufschwung, aber kein weiteres Minus. Wer Investitionen aufgeschoben hat, sollte das jetzt mit Planzahlen gegenlegen.

Zweitens: KfW-Betriebsmittelkredite liegen spürbar unter dem Marktzins. Klassische Bankkredite kosten derzeit vier bis fünf Prozent; KfW-Programme bieten rund 2,5 Prozentpunkte weniger. Lohnt sich der Vergleich vor der nächsten Investition.

Und drittens: Die KfW hat im August das Programm „Gewerbe zu Wohnen" gestartet: Zuschüsse von bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit für leerstehende Gewerbeflächen, die zu Wohnraum umgebaut werden, Gesamtbudget 300 Millionen Euro. Details und Links dazu in den Shownotes. Bei Leerstand im eigenen Portfolio lohnt es sich jetzt zu prüfen, ob das Programm passt.

Die Zahl des Tages: fast zweihundert Milliarden Euro. So hoch werden laut einer Studie des IW Köln die deutschen Verteidigungsausgaben bis 2030 klettern… Von rund 104 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf knapp 200 Milliarden Euro. Das IW rechnet damit, dass jeder zusätzliche Rüstungseuro nur etwas mehr als einen Euro Wachstum bringt, also kein Multiplikatoreffekt wie bei Infrastruktur. Was wächst dagegen deutlich: die Staatsschulden, um rund 64 Milliarden Euro bis 2030. Für Betriebe in Zulieferketten von Rüstung und Infrastruktur öffnen sich Auftragskanäle. Für alle anderen steigt das Finanzierungsrisiko des Staates.

Eine Sache noch. Mittwoch früh hält Merz die Abschlusspressekonferenz von Neuhardenberg ab. Dann wird sichtbar, ob konkrete Schritte beschlossen wurden oder ob es bei Absichtserklärungen bleibt. Lohnt sich, genau hinzuhören: Was ist Gesetz, was ist Vorhaben, und welcher Zeitplan steht dahinter? Das ist der Unterschied, der im Betrieb zählt.

Das war der Morning Brief. Alle Quellen und Details in den Shownotes. Morgen früh um sechs sind wir wieder da. Der Morning Brief von Wirtschaftsforum… Unter sechs Minuten. Auf Stand.

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