Morning Brief
Neuhardenberg

Sommertief trügt

Neuhardenberg: Wer sitzt für den Mittelstand am Tisch? · Energiepreise steigen trotz Entspannung · Insolvenzen: Aufwärtstrend hält an

Erschienen am 5:51 Min.Folge 33

Dienstag, 18. August 2026
Sommertief trügt
0:005:51
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Kabinettsklausur Neuhardenberg

Am 25. und 26. August 2026 tagt das Kabinett auf Schloss Neuhardenberg (Brandenburg). Tagesordnungspunkt: „Deutschland auf Kurs bringen". Eingeladen sind Siemens-Chef Roland Busch, Cohere-CEO Aidan Gomez (Cohere hatte zuletzt Aleph Alpha übernommen) sowie Handwerkspräsident Jörg Dittrich (Impulsvortrag). Auf dem Programm stehen zudem Innovationsvorführungen: KI-Einsatz des BKA, Zoll-App zur digitalen Personenüberprüfung, Flugdemonstration einer Abfangdrohne von Tytan Technologies.

  • KfW/ifo Mittelstandsbarometer Juli 2026: Geschäftsklima plus 4 Zähler auf minus 17,3 Saldenpunkte
  • IMD-Standortranking 2026: Deutschland Platz 23 (2025: Platz 19; 2017: Platz 13)

Energiepreise, das Sommertief das keines ist

Gas kostet im Großhandel aktuell rund 48 Euro je Megawattstunde, rund 37 Prozent über dem Vorjahreswert. Strom liegt bei etwa 92 Euro je Megawattstunde, rund 9 Prozent über Vorjahr. Der BDEW bestätigt in seinem Quick-Check vom 11. August 2026: keine physische Gasmangellage, Märkte gegenüber März entspannt, aber volatil.

  • Neukunden-Strompreis Deutschland August 2026: 24,5 Cent/kWh (August 2025: 27,3 Cent/kWh, minus 10,3 %)
  • Bestandskunden-Strompreis August 2026: 31,1 Cent/kWh (minus 12,2 % zum Vorjahr)
  • KWKG-Umlage 2026: 0,446 Cent/kWh, plus 61 % gegenüber Vorjahr
  • Offshore-Netzumlage 2026: plus rund 15 %
  • Österreichischer Gaspreisindex August 2026: 52,56 Euro/MWh, plus 38,7 % gegenüber August 2025
  • Österreichischer Strompreisindex August 2026: 116,79 Euro/MWh, plus 43,6 % gegenüber August 2025
  • Stromsteuer KMU 2026: 2,05 Cent/kWh; produzierendes Gewerbe und Landwirtschaft: 0,05 Cent/kWh

Insolvenzen, der Trend hält

Mai 2026: 1.995 beantragte Unternehmensinsolvenzen, minus 2,0 % gegenüber Mai 2025. Januar bis Mai 2026: 10.546 Insolvenzen, plus 4,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gläubigerforderungen Januar bis Mai 2026: rund 15,4 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 25,7 Milliarden Euro). Der Rückgang der Forderungssumme trotz steigender Fallzahl erklärt sich damit, dass die betroffenen Unternehmen kleiner sind als 2025.

  • Insolvenzhäufigkeit Januar bis Mai 2026 je 10.000 Unternehmen: Verkehr/Lagerei 57,2 Fälle, Gastgewerbe und Bau folgen
  • Gesamtjahr 2025: 24.064 Insolvenzen (plus 10,3 % gegenüber 2024, höchster Stand seit 2014)
  • Allianz Trade Prognose 2026: rund 24.500 Insolvenzen erwartet
  • Gläubigerforderungen 2025 gesamt: rund 47,9 Milliarden Euro; betroffen bis zu 285.000 Arbeitsplätze

Kurz notiert: Quellen und Details

  • KfW/ifo Mittelstandsbarometer Juli 2026: Geschäftsklima minus 17,3 Saldenpunkte, plus 4 Zähler; Erwartungen verbessert in allen Wirtschaftsbereichen; Lagebeurteilung weiterhin schwach (KfW/ifo, 29. Juli 2026)
  • Erzeugerpreise gewerblicher Produkte Juni 2026: plus 1,8 % gegenüber Juni 2025; minus 0,3 % gegenüber Mai 2026 (Destatis, August 2026)
  • IMD World Competitiveness Ranking 2026: Deutschland Platz 23 von 67 (2025: Platz 19; 2017: Platz 13). Quelle: IMD, veröffentlicht 19. Juni 2026, zitiert im MIT-Konjunkturbrief August 2026
TranskriptDen gesprochenen Text der Folge lesen

Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.

Der Handwerkspräsident bekommt einen Impulsvortrag. Das ist eine Programmzeile.

Zwischen dem, was als Entlastung angekündigt wird, und dem, was im Betrieb ankommt, liegen gerade ein paar bemerkenswerte Preiskomponenten.

Das ist Ihr Dienstag…

Guten Morgen. Heute ist Dienstag, der achtzehnte August 2026, und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet… in unter sechs Minuten.

Und dann etwas, das von den Zahlen wegführt und zur Frage, wer eigentlich spricht. Am 25. und 26. August trifft sich das Kabinett auf Schloss Neuhardenberg. Tagesordnungspunkt: „Deutschland auf Kurs bringen." Eingeladen sind unter anderem Siemens-Chef Roland Busch, der Chef des KI-Unternehmens Cohere, das zuletzt Aleph Alpha übernommen hat, sowie Handwerkspräsident Jörg Dittrich für einen Impulsvortrag. Auf dem Programm stehen Drohnenvorführungen, eine KI-Demo des Bundeskriminalamts und eine Zoll-App.

Ob die konkreten Rahmenbedingungen für Betriebe mit 50 bis 500 Mitarbeitern dort auf die Tagesordnung kommen, Energiekosten, Kreditbedingungen, Bürokratieabbau, das geht aus der Einladung nicht hervor. Der Mittelstand schaut auf Neuhardenberg… und sollte die Ergebnisse sehr genau lesen. Noch ist kein Handlungsbedarf, aber die Frage, welche Vorhaben danach konkret angegangen werden, ist die relevante.

Am Großhandelsmarkt ist der Sommer tatsächlich ruhiger geworden. Die Preise für Gas und Strom liegen über dem Vorjahresniveau, trotzdem ist die Lage laut BDEW gegenüber März 2026 entspannter, bleibt aber volatil. Das eigentliche Problem sitzt in den Endkundenpreisen: Neukunden zahlen im August knapp 24,5 Cent je Kilowattstunde, Bestandskunden fast 31,1 Cent. Wer also heute einen Vertrag verlängert, ohne zu vergleichen, zahlt mehr als nötig. Zusätzlich haben die KWKG-Umlage und die Offshore-Netzumlage in diesem Jahr deutlich angezogen. Die genauen Großhandelswerte und Umlagedetails in den Shownotes.

Das Sommertief am Großhandel ist der letzte günstige Verhandlungsmoment vor dem Herbst. Energieverträge, die in den nächsten Monaten auslaufen, jetzt prüfen, Angebote vergleichen, Festpreisoptionen sichern, solange der Markt ruhig bleibt.

Gleiches Muster, zweites Kapitel. Auch die Insolvenzzahlen erzählen eine Geschichte, bei der die Schlagzeile und die Wirklichkeit auseinanderfallen. Im Mai 2026 registrierten die deutschen Amtsgerichte weniger Unternehmensinsolvenzen als im Vorjahreszeitraum. Das klingt nach Trendwende. Stimmt aber nur für den Monat. Über die ersten fünf Monate des Jahres gerechnet gibt es mehr Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum, und die Gläubigerforderungen summierten sich auf einen erheblichen Milliardenbetrag. Die exakten Werte in den Shownotes.

Der Anstieg trifft fast ausschließlich kleinere Unternehmen. Die Forderungssummen steigen nicht proportional mit, weil die großen Namen diesmal ausbleiben. Was bleibt: die Branchen Verkehr, Gastgewerbe und Bau sind mit Abstand am stärksten betroffen. Wer dort Kunden oder Lieferanten hat, sollte Bonitätsprüfungen und Zahlungsfristen jetzt schärfer im Blick behalten.

Kurz notiert. Erstens: Das mittelständische Geschäftsklima hat im Juli 2026 um vier Punkte auf minus 17,3 Saldenpunkte zugelegt, das beste Ergebnis seit mehreren Monaten. Ursache sind vor allem verbesserte Erwartungen, die Lagebeurteilung bleibt schwach. Zweitens: Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lagen im Juni 2026 um knapp zwei Prozent über Vorjahr, im Monatsvergleich sanken sie leicht. Für Betriebe mit variablen Einkaufspreisklauseln lohnt ein Blick auf die aktuellen Indexwerte vor der nächsten Verhandlungsrunde. Und drittens: Deutschland ist im Standortranking des Instituts IMD 2026 auf Platz 23 gefallen, nach Platz 19 im Vorjahr. Ein weiteres Argument für internationale Standortdiskussionen liegt damit auf dem Tisch.

Die Zahl des Tages: vier Komma neun Prozent. So viel mehr Unternehmensinsolvenzen verzeichnet Deutschland in den ersten fünf Monaten 2026 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Das ist kein Ausreißer… das ist ein Trend, der seit 2023 läuft. Insgesamt gut zehntausend Fälle in fünf Monaten, das entspricht im Schnitt fast zwei Insolvenzen je Stunde. Wer regelmäßig mit kleinen Transport-, Bau- oder Gastronomiebetrieben zusammenarbeitet, spürt das. Forderungsmanagement und Frühwarnsysteme sind jetzt keine optionalen Instrumente mehr.

Eine Sache noch: Energieverträge mit Laufzeitende bis Frühjahr 2027 gehören in den nächsten Wochen auf den Tisch, nicht im Oktober. Das aktuelle Sommertief am Großhandel gibt einen Verhandlungsspielraum, der mit dem Herbst wieder enger wird. Kein Grund zur Hektik, aber auch keiner zum Abwarten.

Das war der Morning Brief. Morgen früh um sechs sind wir wieder da. Der Morning Brief von Wirtschaftsforum… Unter sechs Minuten. Auf Stand.

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