Morning Brief
Rhein-Niedrigwasser

Nadelöhr, Nachweispflicht, Neuhardenberg

Rhein-Rekordniedrigwasser lähmt Lieferketten · PPWR: Verpackungskonformität jetzt Pflicht · Kabinett tagt, Mittelstand wartet

Erschienen am 7:00 Min.Folge 35

Donnerstag, 20. August 2026
Nadelöhr, Nachweispflicht, Neuhardenberg
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Rhein-Rekordniedrigwasser: Operative Folgen für Einkauf und Logistik

Seit dem 14. August 2026 liegt der Pegel Kaub im einstelligen Zentimeterbereich. Am 17. August wurde mit fünf Zentimetern ein neues historisches Tief erreicht, zwanzig Zentimeter unter dem bisherigen Rekord vom 22. Oktober 2018 (25 cm). An acht Messstellen lagen Pegelstände unter zehn Zentimetern, an mehreren sogar unter dem jeweiligen Pegelnullpunkt (Oberwinter minus 8 cm, Worms minus 19 cm, Emmerich minus 24 cm, Neuwied minus 26 cm).

Frachtrate Rotterdam/Amsterdam/Antwerpen nach Karlsruhe laut Argus: 215 Euro je Tonne (Rekord seit Beginn der Preisreihe 2012). Zum Vergleich: April 2025 rund 55 Euro je Tonne. Laut DIHK können Binnenschiffe bis zu 75 Prozent weniger Ladung transportieren. Zusätzliche Engstelle: Die rechtsrheinische Bahnstrecke ist bis 12. Dezember 2026 wegen Sanierungsarbeiten für den Güterverkehr gesperrt. Mehr als 80 Prozent des deutschen Binnenschiffs-Güterverkehrs verlaufen laut Statistischem Bundesamt über den Rhein.

Besonders betroffen sind Chemie-, Stahl- und Mineralölindustrie. Der geschätzte Wertschöpfungsausfall im dritten Quartal 2026 beläuft sich nach ersten Berechnungen auf ein bis zwei Milliarden Euro. Kraftstofftransporte verteuern sich regional spürbar.

Aktueller Pegelstand

pegelonline.wsv.de

EU-Verpackungsverordnung PPWR: Pflichten seit 12. August 2026

Die PPWR (VO EU 2025/40) gilt seit dem 12. August 2026 unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Gleichzeitig trat in Deutschland das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) in Kraft und ersetzte das bisherige Verpackungsgesetz (VerpackG).

Ab sofort gilt: Für jede Verpackung muss eine EU-Konformitätserklärung (Declaration of Conformity) vorliegen, die die Einhaltung der Nachhaltigkeits- und Designanforderungen belegt. Betroffen sind nahezu alle Unternehmen entlang der Lieferkette, unabhängig von Größe und Branche, auch Onlinehändler und Importeure. Kleinstunternehmen unter zehn Mitarbeitenden und zwei Millionen Euro Jahresumsatz sind von bestimmten Pflichten ausgenommen.

Online-Händler im Fernabsatz müssen in jedem EU-Zielland einen bevollmächtigten Vertreter benennen. Schadstoffgrenzwert: Summe aus Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertigem Chrom in Verpackungen maximal 100 mg/kg. PFAS-Beschränkungen für lebensmittelberührende Verpackungen greifen ebenfalls ab sofort.

Weitere Pflichtenstufen: Kennzeichnungspflicht ab 2028, Mindestrezyklatanteil und Recyclingfähigkeit ab 2030.

Merkblatt und Praxishilfen: IHK Schleswig-Holstein: PPWR-Pflichten ab August 2026

Kabinettsklausur Neuhardenberg: 25./26. August 2026

Das Kabinett Merz trifft sich am 25. und 26. August 2026 auf Schloss Neuhardenberg (Brandenburg). Tagesordnungspunkt: „Deutschland auf Kurs bringen", Schwerpunkt industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und Schlüsseltechnologien. Eingeladen: Siemens-Chef Roland Busch, Cohere-CEO Aidan Gomez, Handwerkspräsident Jörg Dittrich (Impulsvortrag). Programmbestandteile: Drohnendemonstration (Tytan Technologies), BKA-KI-Präsentation, Zoll-App.

Laut Freiburger Subventionsbericht 2026 der Stiftung Familienunternehmen erhalten Mittelstand und Familienunternehmen gesamtstaatlich nur ein Achtel der Förderung, die Dax-Konzerne bekommen. DZ-Bank-Befragung (Basis: über 1.000 Firmeninhaber und Geschäftsführer): Im Frühjahr 2026 waren 62 Prozent der Befragten zuversichtlich, zuletzt noch 39 Prozent. IWF-Prognose BIP-Wachstum Deutschland 2026: 0,7 Prozent.

Die Zahl des Tages

Regierungsentwurf Bundeshaushalt 2027 (Kabinettsbeschluss 6. Juli 2026): Im Kernhaushalt und den Sondervermögen stehen 2027 insgesamt fast 118 Milliarden Euro an Investitionsmitteln bereit (ohne finanzielle Transaktionen). 2027 ist das dritte Jahr in Folge mit Investitionen auf Rekordniveau. Schwerpunkte: Schiene, Straße, Forschung und Entwicklung (plus 60 Prozent gegenüber 2026 im Sondervermögen), Klimaschutz, Sicherheit. Parlamentsberatungen im Herbst 2026.

Gesamtausgaben Bundeshaushalt 2027: 555,4 Milliarden Euro (plus 5,9 Prozent gegenüber 2026). Davon rund 110 Milliarden Euro für Verteidigung, rund 42 Milliarden Euro für Zinsausgaben.

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Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.

Der Rhein zeigte am Montagmorgen fünf Zentimeter.

Die Frachtschiffe stehen. Die Konformitätserklärung fehlt. Und die Gästeliste in Brandenburg verrät mehr als das Programm.

Zwischen dem Wasser, das fehlt, dem Papier, das fällig war, und der Klausur, die in fünf Tagen beginnt, liegt ein Muster: Dinge, die schon da sind, kommen im Betrieb noch nicht an.

Das ist Ihr Donnerstag.

Guten Morgen. Heute ist Donnerstag, der zwanzigste August 2026... und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet... in unter sechs Minuten.

Der Rhein hat diese Woche Messgeschichte geschrieben. Nicht auf die Art, die man sich wünscht. Seit dem vierzehnten August liegt der Pegel Kaub im einstelligen Zentimeterbereich... erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen 1880. Das bisherige Rekordtief aus dem Oktober 2018 ist damit weit unterschritten. Die Frachtpreise auf der Route Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen nach Karlsruhe haben Rekordhöhen erreicht, die genauen Vergleichswerte zu Frachtkosten und Pegelständen in den Shownotes. Wer Chemie, Stahl oder Mineralöl einkauft oder liefert, spürt das jetzt im Einkaufspreis. Und es gibt keine schnelle Ausweichroute: Die rechtsrheinische Bahnstrecke ist bis zwölften Dezember 2026 wegen Sanierungsarbeiten für den Güterverkehr gesperrt. Ausweichlieferanten und Lagerbestand jetzt durchrechnen, nicht abwarten.

Zweite Zahl, gleiches Muster: etwas, das längst beschlossen war, kommt im Betrieb noch nicht an. Seit dem zwölften August gilt die EU-Verpackungsverordnung unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Wer Verpackungen oder verpackte Waren in der EU in den Verkehr bringt, braucht ab sofort eine Konformitätserklärung für jede einzelne Verpackung. Das gilt für Hersteller, Händler, Importeure, Onlinehändler. Kleinstunternehmen unterhalb der Schwellenwerte für Mitarbeitende und Jahresumsatz sind von bestimmten Pflichten ausgenommen, die genauen Grenzen und weiteren Stufenpflichten in den Shownotes. In Deutschland trat gleichzeitig das neue Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz in Kraft und löst das bisherige Verpackungsgesetz ab. Kennzeichnungspflichten und Recyclingquoten folgen in den kommenden Jahren. Das ist also erst die erste Stufe. Die Konformitätserklärung noch nicht vorliegen zu haben bedeutet: heute bereits in der Pflicht zu sein. Lieferanten und eigene Verpackungsprozesse jetzt auf Stand bringen, die IHK-Merkblätter dazu in den Shownotes.

Und dann etwas, das sich von den ersten beiden grundlegend unterscheidet: Rhein und Verpackungsverordnung sind schon da. Was am Dienstag in fünf Tagen in Neuhardenberg beginnt, ist noch offen. Am fünfundzwanzigsten und sechsundzwanzigsten August trifft sich das Kabinett Merz auf Schloss Neuhardenberg zur Wirtschaftsklausur. Tagesordnung: „Deutschland auf Kurs bringen." Eingeladen sind Siemens-Chef Roland Busch, Cohere-Chef Aidan Gomez und, als einziger Vertreter des Handwerks, Präsident Jörg Dittrich für einen Impulsvortrag. Auf dem Programm stehen Drohnendemonstration und KI-Vorführungen. Der Freiburger Subventionsbericht 2026 hält fest, dass Mittelstand und Familienunternehmen gesamtstaatlich nur ein Achtel der Förderung erhalten, die Dax-Konzerne bekommen. Eine DZ-Bank-Befragung zeigt: Die Zuversicht unter Firmeninhabern und Geschäftsführern hat seit dem Frühjahr deutlich nachgelassen. Konkrete Ergebnisse aus Neuhardenberg finden sich am besten in den Erklärungen am Mittwochabend nach der Klausur. Bis dahin: kein Handlungsbedarf, aber ein Grund, die eigene Interessenvertretung via Kammer oder Verband gut zu beschreiben.

Kurz notiert. Erstens: Das Statistische Bundesamt meldet für Januar bis Mai 2026 knapp fünf Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen als im Vorjahreszeitraum. Am stärksten trifft es Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe und Bau. Forderungsmanagement und Bonitätsprüfung bei Kunden in diesen Branchen gehören jetzt regelmäßig auf den Tisch. Zweitens: Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt für August erstmals seit fünf Monaten wieder einen Rückgang des Geschäftsklimas. Der Puffer aus dem Frühjahrsoptimismus ist dünner geworden. Und drittens: Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand ist laut DZ-Bank-Erhebung auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Messreihe gefallen, tiefer als in der Finanzkrise oder der Energiekrise. Ein konkreter Anlass, die eigene Investitionsplanung für das zweite Halbjahr neu zu gewichten.

Die Zahl des Tages: fast einhundertachtzehn Milliarden Euro. So viel stellt der Bund 2027 für Investitionen bereit, der Regierungsentwurf wurde am sechsten Juli im Kabinett beschlossen und geht jetzt in die Herbst-Parlamentsberatungen. Das Geld fließt in Schiene, Infrastruktur, Forschung und Klimaschutz. Für Betriebe, die von Bauaufträgen, Schienenprojekten oder Förderprogrammen leben, öffnet das ein Auftragsfenster, sofern der Bundestag den Entwurf im Herbst verabschiedet. Den Parlamentsfahrplan im Auge zu behalten lohnt sich schon jetzt.

Eine Sache noch: Die Verpackungsverordnung läuft seit acht Tagen. Eine Konformitätserklärung für Verpackungen, die noch nicht erstellt ist, bedeutet: jetzt im Rückstand. Kein Grund zur Hektik, aber auch keiner zum weiteren Abwarten. Eine Rolle im Sinne der Verordnung zuordnen lassen, technische Dokumentation anstoßen und den zuständigen IHK-Berater oder Verpackungslieferanten heute ansprechen.

Das war der Morning Brief. Morgen früh um sechs sind wir wieder da. Der Morning Brief von Wirtschaftsforum... Unter sechs Minuten. Auf Stand.

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