Morning Brief
NIS-2 und E-Rechnung

Drei Fristen, die niemand ankündigt

BSI-Registrierung abgelaufen · E-Rechnung in vier Monaten Pflicht · Mittelstand-Nachfolge stagniert

Erschienen am 5:33 Min.Folge 37

Freitag, 21. August 2026
Drei Fristen, die niemand ankündigt
0:005:33
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BSI-Registrierungsfrist abgelaufen

Die Kulanzfrist des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für die NIS-2-Registrierung endete am 31. Juli 2026. Gesetzlich war die Registrierung bereits am 6. März 2026 fällig. Von rund 29.500 betroffenen Einrichtungen hatten sich bis Ende Mai 2026 rund 18.500 registriert; die Zahlen für den Stichtag 31. Juli liegen noch nicht öffentlich vor. Nach Ablauf der Kulanzfrist ist mit konsequenterer Durchsetzung durch das BSI zu rechnen.

Betroffene Sektoren (Auswahl, Anlagen 1 und 2 BSIG):

  • Energie, Verkehr, Bankwesen, Gesundheit, Trinkwasser, Abwasser, Öffentliche Verwaltung, Digitale Infrastruktur (Anlage 1)
  • Post- und Kurierdienste, Abfallwirtschaft, Chemie, Lebensmittelproduktion und -großhandel, Verarbeitendes Gewerbe (u.a. Medizinprodukte, Elektronik, Maschinenbau, Fahrzeugbau), Digitale Dienste (Anlage 2)

Schwellenwerte:

  • Besonders wichtige Einrichtungen: ab 250 Beschäftigte oder 50 Mio. Euro Umsatz und 43 Mio. Euro Bilanzsumme
  • Wichtige Einrichtungen: ab 50 Beschäftigte oder 10 Mio. Euro Umsatz und 10 Mio. Euro Bilanzsumme

Haftung: Die Geschäftsleitung haftet nach § 38 BSIG persönlich für die Einhaltung der NIS-2-Pflichten. Bußgeld für Verstöße gegen die Registrierungspflicht: bis zu 500.000 Euro.

Für die Fachabteilung: Betroffenheitsprüfung des BSI unter bsi.bund.de. Rechtsgrundlage: NIS-2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG), in Kraft seit 6. Dezember 2025, umgesetzt im BSI-Gesetz (BSIG neue Fassung).

E-Rechnungspflicht ab 1. Januar 2027

Ab 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz (Jahr 2026) von mehr als 800.000 Euro ihre Rechnungen an inländische Geschäftskunden als strukturierte E-Rechnung nach EN 16931 ausstellen (z.B. XRechnung oder ZUGFeRD). Ein einfaches PDF erfüllt diese Anforderung nicht.

  • Empfangspflicht: gilt für alle inländischen B2B-Unternehmen bereits seit 1. Januar 2025
  • Ausstellungspflicht ab 1. Januar 2027: Unternehmen mit Vorjahresumsatz über 800.000 Euro
  • Ausstellungspflicht ab 1. Januar 2028: alle übrigen inländischen B2B-Unternehmen
  • Ausgenommen: B2C-Rechnungen, Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro, Kleinunternehmer nach § 19 UStG (dauerhaft von Ausstellungspflicht befreit)

Maßgeblich für die 800.000-Euro-Grenze ist der Gesamtumsatz des Jahres 2026 im Sinne von § 19 Abs. 2 UStG. Rechtsgrundlage: Wachstumschancengesetz, § 27 Abs. 38 UStG.

Unternehmensnachfolge im Mittelstand

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn schätzt in seiner Studie „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030" (Daten und Fakten Nr. 37, November 2025), dass im Zeitraum 2026 bis 2030 rund 186.000 Unternehmen in Deutschland zur Übergabe anstehen. Die Zahl der tatsächlichen Übergaben stagniert trotz zunehmender Alterung der Inhaber, weil sich die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe verschlechtert hat und Übernahmen für potenzielle Nachfolger weniger attraktiv erscheinen.

  • Angebot-Nachfrage-Verhältnis: schlechter als 2:1 zuungunsten der Übergabewilligen
  • Branchen mit höchsten Übergabezahlen: unternehmensbezogene Dienstleistungen, produzierendes Gewerbe, Handel

Kurz notiert: Hintergrundzahlen

  • Beitragsbemessungsgrenze GKV 2027: Anhebung um 300 Euro monatlich zusätzlich zur regulären Lohnanpassung (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, veröffentlicht 29. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt). Durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2027 prognostiziert auf 3,3 bis 3,7 Prozent (2026: 2,9 Prozent).
  • Fachkräftemangel im Mittelstand: 44 Prozent der Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten und 47 Prozent der Betriebe mit 200 bis 999 Beschäftigten berichten von Stellenbesetzungsschwierigkeiten. Quelle: DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 (Erhebung Herbst 2025, rund 22.000 Unternehmen).

Die Zahl des Tages

Stand Ende Mai 2026: Von rund 29.500 NIS-2-pflichtigen Einrichtungen hatten sich rund 18.500 beim BSI registriert. Damit fehlten zu diesem Zeitpunkt rund 11.000 Registrierungen. Die Zahlen für den Stichtag 31. Juli 2026 lagen bis Produktionsschluss nicht öffentlich vor.

TranskriptDen gesprochenen Text der Folge lesen

Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.

Zwei Fristen sind abgelaufen, während der Mittelstand in die Sommerpause ging.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat seine Nachsicht beendet. Die elektronische Rechnung wird in vier Monaten Pflicht. Und der Generationswechsel im Mittelstand kommt schneller als die Nachfolger.

Drei Termine, die niemand ankündigt und die trotzdem jeden Betrieb erreichen.

Das ist Ihr Freitag…

Guten Morgen. Heute ist Freitag, der 21. August 2026… und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet, in unter sechs Minuten.

Seit Anfang dieses Monats prüft das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nicht mehr wohlwollend, sondern konsequent. Ende Juli ist die Kulanzfrist für die Registrierung nach dem neuen Cybersicherheitsrecht ausgelaufen. Betroffen sind in Deutschland rund 29.500 Einrichtungen. Registriert hat sich davon zum letzten öffentlich bekannten Stand nicht einmal jeder Zweite.

Das eigentliche Problem ist nicht die Registrierung… es ist die Frage, wer sich überhaupt betroffen fühlt. Die Liste der Sektoren reicht weit über Energie und Banken hinaus: Fahrzeugbau, Medizinprodukte, elektrische Geräte, Lebensmittel, Abfallwirtschaft, Post und Kurierdienste. Ein Zulieferer mit zweihundertfünfzig Beschäftigten kann darunterfallen, ohne sich je als kritische Infrastruktur verstanden zu haben. Und die Geschäftsleitung haftet persönlich, das steht ausdrücklich im Gesetz. Die Sektorenliste und die Schwellenwerte in den Shownotes.

Die zweite Frist läuft leiser ab, dafür trifft sie fast alle. Ab dem ersten Januar müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Jahresumsatz ihre Rechnungen an andere Unternehmen im Inland elektronisch ausstellen. Nicht als PDF, sondern als strukturierten Datensatz, den die Buchhaltung der Gegenseite maschinell lesen kann. Ein Jahr später gilt das für alle anderen auch.

Empfangen müssen Betriebe solche Rechnungen schon seit anderthalb Jahren. Ausstellen ist die andere Hälfte, und die hängt an der Software, nicht am guten Willen. Vier Monate sind für einen Systemwechsel in der Fakturierung keine lange Zeit… zumal die Umsatzgrenze am Vorjahr gemessen wird. Wer im vergangenen Jahr darüber lag, ist im Januar dran, unabhängig davon, wie das laufende Jahr aussieht.

Und dann eine Zahl, die weiter reicht als jede Frist. Nach der aktuellen Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung stehen bis zum Jahr 2030 rund 186.000 Unternehmen in Deutschland zur Übergabe an. Die Zahl der tatsächlichen Übergaben stagniert dabei, obwohl die Inhaber älter werden. Der Grund ist unbequem: Die wirtschaftliche Lage macht eine Übernahme für Nachfolger weniger attraktiv.

Das verschiebt die Frage. Sie lautet nicht mehr, ob sich ein Nachfolger findet, sondern was der Betrieb für einen Nachfolger wert ist. Ein Unternehmen mit ungeklärter Nachfolge verliert an Bewertung, lange bevor es zum Verkauf steht. Banken sehen das, Kunden ahnen es, gute Leute gehen früher. Wer die Übergabe erst in fünf Jahren vorhat, entscheidet sie faktisch heute.

Kurz notiert. Erstens: Die Sozialversicherung wird zum Jahreswechsel teurer. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung steigt nach den aktuellen Prognosen weiter, und die Beitragsbemessungsgrenze klettert zusätzlich zur regulären Anpassung. Für Betriebe mit vielen Beschäftigten über der Grenze entsteht damit ein Kostenblock ohne jede Tarifverhandlung. Zweitens: In der jüngsten Erhebung der Industrie- und Handelskammern berichten 44 Prozent der Betriebe mit zwanzig bis knapp zweihundert Beschäftigten von Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Bei den größeren Mittelständlern liegt der Wert noch etwas höher.

Die Zahl des Tages: elftausend. So viele Einrichtungen fehlen nach dem letzten öffentlichen Stand in der Registrierung beim Bundesamt, gut ein Drittel der Betroffenen. Das ist keine Statistik über Nachlässigkeit… das ist eine Statistik über Unwissen. Wer nicht registriert ist, hat meist nicht abgewogen, sondern nichts davon gehört.

Eine Sache noch. Die drei Themen von heute haben eines gemeinsam: Sie stehen in keinem Angebot, in keiner Bestellung und in keiner Kundenmail. Sie tauchen erst auf, wenn jemand fragt. Das ist der Unterschied zwischen einem Risiko und einer Überraschung.

Das war der Morning Brief. Alle Quellen und Details in den Shownotes. Am Montag früh um sechs sind wir wieder da. Der Morning Brief von Wirtschaftsforum… Unter sechs Minuten. Auf Stand.

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