Morning Brief
Industriepolitik

Einfach mal machen

Kabinettsklausur ohne Wirkung · Schwarz Gruppe baut Europas größtes Rechenzentrum · Trumpf und Zeiss: das stille Monopol der Chipindustrie

Erschienen am 5:22 Min.Folge 41

Donnerstag, 27. August 2026
Einfach mal machen
0:005:22
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Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg

Die erste Kabinettsklausur der schwarz-roten Bundesregierung fand am 25. und 26. August 2026 in Schloss Neuhardenberg statt. Schwerpunkte waren Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Technologie, Forschung und Bürokratieabbau. Kanzler Friedrich Merz verwies auf den überraschend gestiegenen ifo-Geschäftsklimaindex (August 2026: 88,8 Punkte, nach 86,7 im Juli; Analysten hatten nur 87,1 bis 87,2 erwartet) sowie ein wachsendes drittes Quartal als Belege für Zuversicht. Als konkretes Vorhaben drang die Registrierkassenpflicht mit digitalem Kassenbon ab 2028 nach außen.

Schwarz Gruppe: Rechenzentrum Lübbenau und Bahnhaltepunkt Bad Friedrichshall

Die Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland) investiert elf Milliarden Euro in ein Rechenzentrum in Lübbenau im Spreewald. Es ist die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte: 200 Megawatt Leistung, Platz für bis zu 100.000 Grafikprozessoren. Ziel ist digitale Souveränität unabhängig von AWS, Microsoft und Google. Die Cloud-Tochter STACKIT erzielte 2025 einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro, plus 15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. STACKIT betreibt bereits sieben Rechenzentren und expandiert 2026 in weitere Länder. Einschränkung: Der Umzug der Lidl-Warenwirtschaft in die STACKIT-Cloud verzögert sich; Workspace by STACKIT basiert weiterhin auf Google-Technologie.

Der Bahnhaltepunkt Bad Friedrichshall Süd, der vor allem dem Schwarz-Digits-Campus dienen soll, verschiebt sich nach Angaben der DB InfraGO auf 2027. Grund: fehlende Fachkräfte, Bauunternehmen und Signaltechnik.

Trumpf, Zeiss und Herrenknecht: das stille Monopol

Das Familienunternehmen Trumpf (Ditzingen) ist weltweiter Alleinlieferant der Hochleistungslaser für ASMLs EUV-Lithografiemaschinen (100 % Weltmarktanteil). ASML ehrte Trumpf im Oktober 2025 mit dem Supplier Award für einen neuen EUV-Hochenergielaser; die Serienproduktion begann 2026. Trumpfs Umsatz im Geschäftsjahr 2025/26 betrug rund 4,34 Milliarden Euro. Carl Zeiss SMT (Oberkochen) ist ebenfalls weltweiter Alleinlieferant der EUV-Optik für ASML (100 % Weltmarktanteil). Herrenknecht AG (Schwanau) ist familiengeführter Weltmarktführer bei Tunnelvortriebsmaschinen.

Hinweis zu den Zahlen des Lasersystems: Die im Script genannten Werte (17 Tonnen, eine halbe Million Einzelteile) beziehen sich auf die ältere Systemgeneration nach NZZ, Oktober 2023. Der neue EUV-Hochenergielaser (Trumpf-Pressemitteilung, Oktober 2025) weist über 20 Tonnen und mehr als 450.000 Einzelteile aus; die genauen Zahlen in den Shownotes.

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Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.

Geld ist selten das Problem. Handlungsfreiheit ist es fast immer.

Guten Morgen. Heute ist Donnerstag, der 27. August 2026… und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet… in unter sechs Minuten.

In Schloss Neuhardenberg ist gestern die erste Kabinettsklausur der schwarz-roten Regierung zu Ende gegangen. Zwei Tage Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum, Bürokratieabbau. Geblieben ist am Ende vor allem ein Wort. Zuversicht. Der Kanzler rief zu mehr Optimismus auf. Das Deutschland von morgen, so Friedrich Merz, sei zuversichtlich.

Man kann als Regierung vieles beschließen. Gute Laune gehört selten dazu. Zuversicht per Kabinettsbeschluss… das ist die eine Hälfte der Geschichte. Die andere spielt vierhundert Kilometer weiter südlich, und sie kommt ganz ohne Tagung aus.

In Lübbenau im Spreewald baut die Schwarz Gruppe, der Familienkonzern hinter Lidl und Kaufland, für elf Milliarden Euro das größte Rechenzentrum ihrer Geschichte. Zweihundert Megawatt. Platz für bis zu hunderttausend Grafikprozessoren. Digitale Souveränität als offene Ansage an Amazon, Microsoft und Google. Es ist die größte Einzelinvestition, die dieses Haus je gewagt hat… und niemand in Neuhardenberg musste sie genehmigen. Die Cloud-Tochter STACKIT hat im vergangenen Jahr gut zwei Milliarden Euro umgesetzt, fast sechzehn Prozent mehr als im Jahr davor. Ihr Leitspruch lautet, ganz ohne Koketterie: einfach mal machen.

Einfach mal machen, während anderswo noch beraten wird, wie man die Voraussetzungen für das Machen schafft.

Und Lübbenau ist kein Ausreißer. Es ist ein Muster. In Ditzingen, einer Kleinstadt bei Stuttgart, sitzt das Familienunternehmen Trumpf und baut die Hochleistungslaser für die Lithografiemaschinen von ASML. Weltmarktanteil: hundert Prozent. So ein Lasersystem wiegt siebzehn Tonnen, besteht aus einer halben Million Einzelteile und ist ungefähr so groß wie ein Schulbus. Ohne dieses eine Gerät aus Schwaben entsteht auf diesem Planeten kein einziger Hochleistungschip. Ein paar Kilometer weiter, in Oberkochen, liefert Zeiss die passende Optik. Auch hier: hundert Prozent. Und in Schwanau baut Herrenknecht die Maschinen, die sich durch die Tunnel der halben Welt graben. Weltmarktführer, familiengeführt, den meisten kein Begriff.

Die halbe künstliche Intelligenz dieser Erde hängt damit an einer Handvoll Familienbetriebe zwischen Stuttgart und der Ostalb. Und keiner von ihnen saß in dieser Woche an dem Tisch, an dem über Deutschlands technologische Zukunft gesprochen wurde.

Das ist die eigentliche Leerstelle dieser Klausur… und sie liegt nicht beim Geld. Der Kanzler selbst führt die guten Zahlen ins Feld. Einen überraschend starken Geschäftsklimaindex. Ein wachsendes drittes Quartal. Das Kapital ist da, das Sondervermögen sowieso. Gehört werden in Berlin die Verbände und die Konzerne mit Hauptstadtbüro. Wer im Spreewald oder in Ditzingen einfach baut, hat dort weder das eine noch das andere. Es fehlt also nicht die Kasse. Es fehlt die Stimme derer, die längst gebaut haben, während noch geredet wurde.

Was aus Neuhardenberg konkret nach außen drang, war vor allem ein Vorhaben. Die Registrierkassenpflicht mit digitalem Kassenbon ab zweitausendachtundzwanzig. Die eine Seite plant den Bon von morgen. Die andere das Rechenzentrum, das ihn eines Tages verarbeitet. Beide nennen es Modernisierung.

Dazu passt eine Randnotiz aus Bad Friedrichshall. Dort verschiebt sich der Bahnhaltepunkt, der vor allem Schwarz Digits dienen soll, auf das kommende Jahr. Zuständig ist die bundeseigene DB InfraGO, es fehlt unter anderem an Signaltechnik. Das Unternehmen stemmt ein Elf-Milliarden-Projekt im Zeitplan. Der Staat bekommt den Bahnsteig davor nicht rechtzeitig fertig… Man muss kein Sinnbild suchen. Es steht schon da.

Hundert Prozent. So groß ist der Weltmarktanteil von Trumpf bei den Lasern und von Zeiss bei der Optik für die modernste Chipfertigung der Welt. Zwei deutsche Familienunternehmen, ein stilles Monopol, an dem die gesamte Hochtechnologie hängt. In Berlin kennt die Adresse kaum jemand.

Zuversicht lässt sich schlecht verordnen. Sie entsteht dort, wo jemand elf Milliarden in den märkischen Sand kippt, bevor der letzte Stempel trocken ist. Sie entsteht dort, wo ein Laser aus Ditzingen die halbe Weltwirtschaft mit Rechenkraft versorgt, ohne dass es jemand meldet. Die nächste Klausur hätte reichlich Gelegenheit, diese Leute nicht zu zitieren, sondern zu fragen. Es wäre ein Anfang.

Das war der Morning Brief. Alle Quellen und Details in den Shownotes. Morgen früh um sechs sind wir wieder da. Der Morning Brief von Wirtschaftsforum… Unter sechs Minuten. Auf Stand.

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