Die Studie: Zeit gegen Geld verliert seine Grundlage
Der Kanzleiberater Thorsten Hesse (formatC consulting) hat im Frühjahr 2026 gut hundert Kanzleiinhaber befragt, nicht repräsentativ, aber aufschlussreich. 94 Prozent der befragten Kanzleien erwarten einen großen oder sehr großen Einfluss von KI auf die Finanzbuchhaltung. 62 Prozent rechnen damit, dass sich das Honorarmodell weg von der Zeitabrechnung hin zu wertbasierten Modellen entwickelt. Hesse formuliert das Kernproblem so: Wenn Prozesse, die früher Stunden dauerten, durch KI in Minuten erledigt werden, verliert das Prinzip Zeit gegen Geld seine Grundlage.
Das Dilemma der Anbieter
Dr. Sebastian Voigt (Partner und Co-CEO der hyConsulting Group) beschreibt das Dilemma in der Studie offen: Für viele Arbeitsschritte brauchte er früher eine Stunde, heute nur noch 15 Minuten. Nach einem Cost-plus-Gedanken dürfte er nur noch ein Viertel abrechnen und würde sich damit selbst kaputt machen. Joachim Adam, Vorstandssprecher der Pentadoc AG aus Würzburg, spricht im Interview mit Wirtschaftsforum (August 2026) über das eigene Unternehmen: „Auch wir müssen unser Geschäftsmodell komplett neu definieren, um unseren Mehrwert beim Kunden zu schärfen.“ Pentadoc entwickelt deshalb neue Preismodelle, die sich stärker am Ergebnis als an der abrechenbaren Zeit orientieren.
Wege zum Ergebnispreis und ein Einwand
Steuerberater Stefan Groß (Partner bei Peters, Schönberger & Partner) empfiehlt als Einstieg in ergebnisorientierte Preise den Weg über Meilensteinpreise: zuerst ein festes Angebot für einen ersten Abschnitt, etwa eine Bestandsaufnahme, danach ein dezidiertes Gesamtangebot. Daniel Reisinger, Chefredakteur Honorargestaltung für Steuerberater bei Haufe-Lexware, erwartet dagegen keinen grundlegenden Preisdruck: Mandanten, die gut beraten werden, zahlten auch einen angemessenen Preis.
Für den Mittelstand liegt die Frage auf beiden Seiten des Tisches: beim Einkauf von Stunden (Steuerberater, Agentur, IT-Dienstleister) ebenso wie beim Verkauf eigener Stunden (Ingenieurbüro, Planer, Handwerk mit Regiestunden). Ein fester Preis für ein Ergebnis setzt voraus, dass das Ergebnis vorher beschreibbar ist, und verlagert das Risiko längerer Arbeit auf den Anbieter.
Die Zahl des Tages
Rund sechs von zehn befragten Kanzleiinhabern (62 Prozent) erwarten laut der formatC-Studie, dass sich das Honorarmodell von der Zeitabrechnung weg und hin zu wertbasierten Modellen entwickelt. Bei der privaten Steuererklärung erwarten knapp drei von vier (73 Prozent) einen großen oder sehr großen Einfluss von KI.