Warum das Thema heute
Morgen, am 27. Oktober 2026, beginnt in Nürnberg die it-sa Expo&Congress, nach Angaben des Veranstalters Europas größte Fachmesse für IT-Sicherheit. Sie läuft bis zum 29. Oktober 2026. Eine gute Gelegenheit, die eigene Datensicherung nicht nur als Technikfrage zu betrachten, sondern als kaufmännische Entscheidung: Was muss nach einem Angriff zuerst wieder laufen, und bis wann?
Sicherung läuft, Neustart unbekannt
Viele Unternehmen führen regelmäßig Datensicherungen durch und verlassen sich auf das tägliche Protokoll. Was dabei selten gemessen wird: wie lange eine Wiederherstellung tatsächlich dauert und ob die zurückgeholten Daten auch wirklich nutzbar sind. Eine Handreichung von Jan-Niklas Puls und Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Niemann (Hochschule Hannover, Mittelstand-Digital Zentrum Hannover) sowie Sebastian Meyer aus dem Frühjahr 2024 benennt diesen Schritt ausdrücklich: die Wiederherstellung regelmäßig proben und die Dauer messen.
Kopie ist nicht Wiederherstellung
Die Handreichung unterscheidet zwischen einer fertig erstellten Kopie und einer erfolgreich abgeschlossenen Wiederherstellung. Werden Tests vernachlässigt, können Fehler unentdeckt bleiben; im Ernstfall lässt sich eine Sicherung womöglich gar nicht verwenden. Die Autoren empfehlen außerdem, Wiederherstellungstests auf einem vom Produktivsystem getrennten System durchzuführen und vorher zu prüfen, ob die Sicherungsdaten bereits kompromittiert sind.
Das Dokument empfiehlt zudem einen Notfallplan mit festgelegten Wiederherstellungszeiten (Recovery Time Objective) und einer Prioritätsreihenfolge: geschäftskritische Systeme zuerst. Welche Systeme „kritisch“ sind, ist eine Entscheidung der Geschäftsleitung, nicht der IT allein.
Die Probe endet beim Lieferschein
Der Neustart sollte an einem vollständigen Arbeitsschritt gemessen werden, nicht nur an der technischen Wiederherstellung einer Datei. Ein ausdrücklich ausgedachtes Beispiel: Ein Betrieb holt einen Auftrag zurück, die Datei öffnet sich, aber Lagerzugang, Warenwirtschaft und Lieferschein sind noch nicht erreichbar. Der Auftrag ist wiederhergestellt, die Lieferung noch nicht möglich.
Nützlich ist deshalb eine Probe, die bei einem konkreten Arbeitsablauf beginnt und endet, wenn dieser Ablauf vollständig abgeschlossen werden kann. Das Testprotokoll sollte festhalten, was geprüft wurde, was offengeblieben ist und wie lange es gedauert hat.
Stefan Utzinger, CEO der NovaStor GmbH in Hamburg (Softwarehersteller für Datensicherung, mit erkennbarem geschäftlichem Interesse), sagte im Gespräch mit Wirtschaftsforum: „Das Back-up allein ist jedoch nicht ausreichend.“ Er betonte, ein Notfallplan müsse nicht nur auf dem Papier existieren, sondern regelmäßig angepasst und durchgespielt werden.
Einordnung
Eine gelungene Probe an einem einzelnen Ablauf bestätigt nicht den vollständigen Neustart des Unternehmens nach einem Angriff. Das Ergebnis gilt für den geprüften Ausschnitt. Wer mit der Frage anfängt, welche konkrete Lieferung nach einem Stillstand zuerst wieder möglich sein muss und wie lange das dauern würde, hat einen Maßstab für die eigene Investitionsentscheidung.
Quellen und weiterführende Informationen
- Best Practice zu Verschlüsselungstrojaner-resilienten Datensicherungen, Version 1.0 (Hochschule Hannover, Mittelstand-Digital Zentrum Hannover; Jan-Niklas Puls, Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Niemann, Sebastian Meyer), März 2024
- it-sa Expo&Congress 2026, Nürnberg, 27. bis 29. Oktober 2026
- Wirtschaftsforum-Interview: NovaStor GmbH, „Datensicherung als ganzheitliches Konzept“, Stefan Utzinger, CEO NovaStor GmbH, veröffentlicht 2. November 2020