Morning Brief
Datensicherung und Wiederherstellung

Backup ist nicht Neustart

Eine erfolgreiche Sicherung sagt noch nicht, wann wieder geliefert werden kann.

Erschienen am 5:09 Min.Folge 83

Montag, 26. Oktober 2026
Backup ist nicht Neustart
0:005:09
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Warum das Thema heute

Morgen, am 27. Oktober 2026, beginnt in Nürnberg die it-sa Expo&Congress, nach Angaben des Veranstalters Europas größte Fachmesse für IT-Sicherheit. Sie läuft bis zum 29. Oktober 2026. Eine gute Gelegenheit, die eigene Datensicherung nicht nur als Technikfrage zu betrachten, sondern als kaufmännische Entscheidung: Was muss nach einem Angriff zuerst wieder laufen, und bis wann?

Sicherung läuft, Neustart unbekannt

Viele Unternehmen führen regelmäßig Datensicherungen durch und verlassen sich auf das tägliche Protokoll. Was dabei selten gemessen wird: wie lange eine Wiederherstellung tatsächlich dauert und ob die zurückgeholten Daten auch wirklich nutzbar sind. Eine Handreichung von Jan-Niklas Puls und Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Niemann (Hochschule Hannover, Mittelstand-Digital Zentrum Hannover) sowie Sebastian Meyer aus dem Frühjahr 2024 benennt diesen Schritt ausdrücklich: die Wiederherstellung regelmäßig proben und die Dauer messen.

Kopie ist nicht Wiederherstellung

Die Handreichung unterscheidet zwischen einer fertig erstellten Kopie und einer erfolgreich abgeschlossenen Wiederherstellung. Werden Tests vernachlässigt, können Fehler unentdeckt bleiben; im Ernstfall lässt sich eine Sicherung womöglich gar nicht verwenden. Die Autoren empfehlen außerdem, Wiederherstellungstests auf einem vom Produktivsystem getrennten System durchzuführen und vorher zu prüfen, ob die Sicherungsdaten bereits kompromittiert sind.

Das Dokument empfiehlt zudem einen Notfallplan mit festgelegten Wiederherstellungszeiten (Recovery Time Objective) und einer Prioritätsreihenfolge: geschäftskritische Systeme zuerst. Welche Systeme „kritisch“ sind, ist eine Entscheidung der Geschäftsleitung, nicht der IT allein.

Die Probe endet beim Lieferschein

Der Neustart sollte an einem vollständigen Arbeitsschritt gemessen werden, nicht nur an der technischen Wiederherstellung einer Datei. Ein ausdrücklich ausgedachtes Beispiel: Ein Betrieb holt einen Auftrag zurück, die Datei öffnet sich, aber Lagerzugang, Warenwirtschaft und Lieferschein sind noch nicht erreichbar. Der Auftrag ist wiederhergestellt, die Lieferung noch nicht möglich.

Nützlich ist deshalb eine Probe, die bei einem konkreten Arbeitsablauf beginnt und endet, wenn dieser Ablauf vollständig abgeschlossen werden kann. Das Testprotokoll sollte festhalten, was geprüft wurde, was offengeblieben ist und wie lange es gedauert hat.

Stefan Utzinger, CEO der NovaStor GmbH in Hamburg (Softwarehersteller für Datensicherung, mit erkennbarem geschäftlichem Interesse), sagte im Gespräch mit Wirtschaftsforum: „Das Back-up allein ist jedoch nicht ausreichend.“ Er betonte, ein Notfallplan müsse nicht nur auf dem Papier existieren, sondern regelmäßig angepasst und durchgespielt werden.

Einordnung

Eine gelungene Probe an einem einzelnen Ablauf bestätigt nicht den vollständigen Neustart des Unternehmens nach einem Angriff. Das Ergebnis gilt für den geprüften Ausschnitt. Wer mit der Frage anfängt, welche konkrete Lieferung nach einem Stillstand zuerst wieder möglich sein muss und wie lange das dauern würde, hat einen Maßstab für die eigene Investitionsentscheidung.

Quellen und weiterführende Informationen

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Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.

Jede Nacht läuft die Datensicherung. Und jeden Morgen steht im Protokoll dasselbe beruhigende Wort: erfolgreich. Die Kopie ist gemacht. Wie lange es dauern würde, bis wieder gearbeitet werden kann… das muss sich erst noch zeigen.

Möglichst, bevor es der Kunde herausfindet.

Guten Morgen. Heute ist Montag, der sechsundzwanzigste Oktober, und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet.

Morgen beginnt in Nürnberg die it-sa, eine der großen Messen für IT-Sicherheit. Es wird um Schutz gehen, um Investitionen und um Technik. Wir schlagen vor, mit einer sehr konkreten Frage hineinzugehen: Wenn morgen früh die Systeme stillstünden, ab wann könnten wir unsere Lieferzusagen wieder einhalten?

Für einen Mittelständler ist das eine Frage für die Geschäftsleitung. Es geht darum, welche Lieferungen sich verschieben lassen, welche Aufträge hinausmüssen und welche Ausfallzeit sich das Unternehmen leisten kann. Wer diese Frage ganz der IT überlässt, lässt eine kaufmännische Entscheidung unausgesprochen. Die Technik kann helfen, eine Priorität einzuhalten… die Geschäftsführung muss festlegen, was zuerst wieder funktionieren soll.

Eine Handreichung von Fachleuten der Hochschule Hannover aus dem Frühjahr zweitausendvierundzwanzig nennt einen genauen Schritt: die Wiederherstellung der Daten regelmäßig zu proben und dabei zu messen, wie lange sie dauert.

Neu ist das Papier nicht. Die Unterscheidung darin bleibt aber nützlich: Eine fertige Kopie und eine gelungene Wiederherstellung sind zwei verschiedene Prüfungen. Ohne Probe, erinnern die Autoren, fällt eine fehlerhafte Sicherung womöglich erst auf, wenn man sie wirklich braucht.

Aus Sicht des Unternehmens gehört noch eine weitere Prüfung dazu. Kommt die Arbeit nach der Wiederherstellung auch bis zum Ende durch?

Nehmen wir einen Fall, ausdrücklich ausgedacht. Ein Betrieb holt einen Auftrag aus der Sicherung zurück. Die Datei öffnet sich, die Daten sind lesbar, die IT hat die Wiederherstellung abgeschlossen. Im Lager fehlt aber noch ein Zugang, die Warenwirtschaft ist nicht erreichbar, und der Lieferschein lässt sich nicht drucken.

Der Auftrag ist gerettet. Die Lieferung steht… trotzdem.

Deshalb sollte der Neustart an einem vollständigen Arbeitsschritt gemessen werden. In unserem Beispiel bleibt die Uhr stehen, sobald aus dem zurückgeholten Auftrag eine Lieferung werden kann.

Unsere Lesart ist, dass man die Fähigkeit zum Neustart an der Arbeit messen sollte, die der Betrieb wieder erledigen kann. Eine begrenzte Probe, die sich auch so nennt, aber mit einem Ziel, das man auch außerhalb der IT erkennt.

Die Handreichung aus Hannover empfiehlt, solche Proben auf einem vom laufenden Betrieb getrennten System zu machen und zu prüfen, ob die Sicherungen keine Schadsoftware enthalten. In den Notfallplan gehören außerdem die erwarteten Wiederherstellungszeiten und die Reihenfolge, in der die Systeme zurückkommen, die kritischen zuerst.

Genau hier muss die Geschäftsleitung Stellung beziehen. „Kritisch“ ist ein bequemes Wort, solange man nicht entscheiden muss, was zuerst kommt.

Wenn der Versand Vorrang hat, muss die Probe auch das umfassen, was den Versand möglich macht. Das Dokument zurückzuholen ist ein Schritt. Die nötigen Zugänge zu haben und den Vorgang abzuschließen, sind die anderen. Brauchbar ist am Ende die gemessene Zeit, zusammen mit den Hindernissen, auf die man gestoßen ist. Daran lässt sich ablesen, ob das selbst gesetzte Ziel realistisch ist… und wo nachgebessert werden muss.

Auf einem Notfallplan, der in der Praxis erprobt ist, besteht auch Stefan Utzinger. Er führt die NovaStor GmbH in Hamburg, die Software für die Datensicherung verkauft, und ist damit eine Stimme mit erkennbarem geschäftlichem Interesse. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum sagte er schon vor einigen Jahren: „Das Back-up allein ist jedoch nicht ausreichend.“ Ein Beleg dafür, dass sein Produkt wirkt, ist das nicht. Sein Hinweis auf den eingeübten Plan trifft aber den Punkt.

Für den Mittelstand heißt das: Bevor man beurteilt, ob eine Lösung zur Wiederherstellung angemessen ist, muss man wissen, welche Tätigkeit wieder möglich sein muss und bis wann. Sonst fehlt der Maßstab für die Investition. Auch eine technisch gute Lösung kann die Frage offenlassen, die das Unternehmen eigentlich interessiert.

Natürlich bestätigt eine gelungene Probe an einem einzelnen Ablauf nicht den Neustart des ganzen Unternehmens. Ein Angriff kann andere Menschen, andere Systeme und andere Partner treffen. Das Ergebnis gilt für den geprüften Ausschnitt. Im Testprotokoll muss stehen, was geprüft wurde, was offenbleibt und wie lange es wirklich gedauert hat.

In dieser Woche, ob in Nürnberg oder im eigenen Haus, bietet es sich an, bei einer konkreten Lieferung anzufangen und zu fragen, wie lange es nach einem Stillstand dauern würde, sie wieder möglich zu machen. Wenn die Antwort nur lautet, die Sicherung war erfolgreich… dann ist die Zeit bis zum Neustart noch eine Vermutung.

Das war Ihr Morning Brief. Bis morgen früh.

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