Morning Brief
Ruhe im Büro

Jedes Wort am Nachbartisch

Verständliche Gespräche stören stärker als fremde Sprache, deshalb zuerst klären, welche Arbeit im Büro Ruhe braucht.

Erschienen am 4:20 Min.Folge 84

Mittwoch, 28. Oktober 2026
Jedes Wort am Nachbartisch
0:004:20
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Warum verständliche Sprache stärker stört als Geräusch

Forschende der RWTH Aachen (Institut für Hörtechnik und Akustik) und der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau haben 2023 untersucht, wie Hintergrundgeräusche aus Großraumbüros das Kurzzeit­gedächtnis beeinflussen. Die Teilnehmenden hörten über Kopfhörer acht Ziffern in einer bestimmten Reihenfolge und sollten sie wiedergeben, während unterschiedliche akustische Szenarien liefen: verständliche Sprache in der eigenen Sprache, Sprache in einer fremden Sprache oder Geräusche ohne Sprache.

Das zentrale Ergebnis: Bedeutungstragende, verständliche Sprache störte die Gedächtnisleistung deutlich stärker als fremdsprachige Sprache. Die Forschenden sprechen von einem semantischen Effekt. In einem weiteren Versuch bildeten sie verschiedene Raumakustiken nach, mit Nachhallzeiten von 0,4, 0,8 und 1,1 Sekunden. Mehr schallschluckende Flächen (kürzerer Nachhall) verbesserten die Leistung messbar. Der Störeffekt blieb jedoch in allen Akustik­varianten statistisch robust.

Wichtige Einschränkung: Es handelt sich um eine Laborstudie mit Kopfhörern und einer eng umrissenen Gedächtnisaufgabe. Aussagen über Produktivität oder wirtschaftlichen Schaden im echten Bürobetrieb lassen sich daraus nicht ableiten.

Was die gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt

Andreas Stephan, Leiter des Sachgebiets Büro im Fachbereich Verwaltung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), formulierte es 2023 so: „Kommunikation kann die Konzentration stören. Daher ist auf geeignete Schirmung und ausreichend Abstand zwischen Kommunikationszonen und Büroflächen zu achten.“ Wie Kommunikationsbereiche beschaffen sein müssen, ergibt sich laut DGUV aus ihrer Funktion und der Art der Tätigkeit, die darin stattfinden soll.

Wie sich die Bürowelt verändert hat

Nina Heisinger, die gemeinsam mit Thomas Heisinger die Heisinger Büro- und Objekteinrichtung GmbH & Co. KG in Straubing führt, beschrieb die Verschiebung Anfang 2026 im Gespräch mit Wirtschaftsforum: „Während der Pandemie hat sich die Arbeitswelt nachhaltig verändert.“ Der Fokus habe sich deutlich verschoben, weg vom klassischen Einzelbüro, hin zu Flächen, die Zusammenarbeit ermöglichen. Gleichzeitig heißt es im selben Interview: Offene Strukturen müssen gezielt durch Rückzugsorte ergänzt werden, um dauerhaft konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen.

Die praktische Übung

Bevor Möbel, Akustikelemente oder Trennwände bestellt werden, lohnt eine Bestandsaufnahme der Tätigkeiten: Welche Arbeit braucht Austausch, welche braucht Ruhe? Erst aus dieser Antwort folgt, ob Abstand, eine Wand, ein eigener Raum oder schallschluckende Oberflächen das richtige Mittel sind. Die ORGATEC 2026 läuft noch bis Freitag, den dreißigsten Oktober in Köln.

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Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.

Acht Ziffern, nacheinander gesprochen, über Kopfhörer. Die Aufgabe: sie sich in der richtigen Reihenfolge merken. Im Hintergrund laufen Geräusche aus einem Großraumbüro… mal mit Gesprächen in der eigenen Sprache, mal in einer fremden.

Eine kleine Rätselfrage zur Wochenmitte: Was hat mehr gestört?

Guten Morgen. Heute ist Mittwoch, der achtundzwanzigste Oktober, und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet.

In Köln läuft seit gestern die ORGATEC, die große Messe für Büro und Arbeitswelt. Dort geht es um Möbel, um Licht und um Flächen für Begegnung. Wir möchten eine Frage mitgeben, die sich bei jedem Grundriss stellen lässt: Welche Arbeit soll in diesem Raum eigentlich gelingen?

Der Versuch vom Anfang stammt von Forschenden der RWTH Aachen und der Universität Kaiserslautern-Landau, veröffentlicht zweitausenddreiundzwanzig. Das Ergebnis: Gespräche in einer Sprache, die man versteht, störten das Merken deutlich stärker als Gespräche in einer fremden Sprache.

Das klingt zunächst selbstverständlich. Es heißt aber, dass nicht die Lautstärke allein das Problem ist. Was wir verstehen, hören wir mit, ob wir wollen oder nicht. Der Satz vom Nachbartisch… landet im Kopf, gleich neben der Zahl, die man sich gerade merken wollte.

In einem weiteren Versuch haben die Forschenden verschiedene Raumakustiken nachgebildet. Mit kürzerem Nachhall, also mit mehr schallschluckenden Flächen, schnitten die Teilnehmenden besser ab. Gestört wurden sie aber… in allen Varianten.

Die Grenzen gehören dazu. Das war ein Labor, mit Kopfhörern und einer eng umrissenen Aufgabe. Wie viel Leistung oder Umsatz einem Betrieb im echten Büro verloren geht, hat diese Studie nicht gemessen, und man sollte es auch nicht aus ihr herauslesen.

Die gesetzliche Unfallversicherung kommt aus der Praxis zu einem ähnlichen Punkt. Andreas Stephan, der dort das Sachgebiet Büro leitet, sagte zweitausenddreiundzwanzig: „Kommunikation kann die Konzentration stören.“ Deshalb brauche es eine geeignete Abschirmung und ausreichend Abstand zwischen Gesprächszonen und Arbeitsplätzen.

Wie sich das in den Betrieben verschoben hat, beschreibt Nina Heisinger. Sie führt gemeinsam mit Thomas Heisinger die Heisinger Büro- und Objekteinrichtung in Straubing, die Büros für Unternehmen plant und einrichtet. Ihre Stimme zählt hier, weil sie täglich sieht, was Kunden von ihren Flächen erwarten. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum sagte sie Anfang des Jahres: „Während der Pandemie hat sich die Arbeitswelt nachhaltig verändert.“ Der Weg führe weg vom Einzelbüro, hin zu Flächen, auf denen Teams zusammenarbeiten.

Im selben Gespräch steht auch der Gedanke, auf den es heute ankommt. Offene Flächen müssen gezielt durch Rückzugsorte ergänzt werden, damit konzentriertes Arbeiten auf Dauer möglich bleibt.

Unsere Lesart ist, dass man ein Büro nicht danach beurteilen sollte, wie offen oder wie modern es aussieht, sondern danach, welche Arbeit darin leichter wird. Und welche Arbeit darin keinen passenden Platz mehr hat.

Ein ausgedachtes Beispiel. Im selben Raum telefoniert die Disposition, weil ein Lastwagen nicht kommt, und zwei Tische weiter prüft eine Kollegin einen Vertrag. Beides ist wichtige Arbeit. Nur braucht das eine das Gespräch… und das andere Ruhe.

Am Ende kennt die Kollegin den Lieferverzug genauer… als die Klausel, die sie eigentlich prüfen sollte.

Bevor neue Möbel oder Akustikelemente bestellt werden, lohnt deshalb eine einfachere Übung. Welche Tätigkeiten finden auf dieser Fläche statt, welche brauchen Austausch, welche brauchen Ruhe? Erst dann lässt sich sagen, ob Abstand hilft, eine Wand, ein eigener Raum oder schallschluckende Flächen.

Das heißt nicht, dass das Gespräch der Feind ist. Der kurze Austausch im Vorbeigehen ist oft genau das, was ein Büro wertvoll macht. Es geht darum, dass beides einen Ort hat.

Wer in dieser Woche über die ORGATEC geht oder nur den eigenen Grundriss betrachtet, kann sich an eine Frage halten. Wo wird hier gesprochen… und wo kann jemand einen Gedanken zu Ende bringen?

Das war Ihr Morning Brief. Bis morgen früh.

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