Warum verständliche Sprache stärker stört als Geräusch
Forschende der RWTH Aachen (Institut für Hörtechnik und Akustik) und der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau haben 2023 untersucht, wie Hintergrundgeräusche aus Großraumbüros das Kurzzeitgedächtnis beeinflussen. Die Teilnehmenden hörten über Kopfhörer acht Ziffern in einer bestimmten Reihenfolge und sollten sie wiedergeben, während unterschiedliche akustische Szenarien liefen: verständliche Sprache in der eigenen Sprache, Sprache in einer fremden Sprache oder Geräusche ohne Sprache.
Das zentrale Ergebnis: Bedeutungstragende, verständliche Sprache störte die Gedächtnisleistung deutlich stärker als fremdsprachige Sprache. Die Forschenden sprechen von einem semantischen Effekt. In einem weiteren Versuch bildeten sie verschiedene Raumakustiken nach, mit Nachhallzeiten von 0,4, 0,8 und 1,1 Sekunden. Mehr schallschluckende Flächen (kürzerer Nachhall) verbesserten die Leistung messbar. Der Störeffekt blieb jedoch in allen Akustikvarianten statistisch robust.
Wichtige Einschränkung: Es handelt sich um eine Laborstudie mit Kopfhörern und einer eng umrissenen Gedächtnisaufgabe. Aussagen über Produktivität oder wirtschaftlichen Schaden im echten Bürobetrieb lassen sich daraus nicht ableiten.
Was die gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt
Andreas Stephan, Leiter des Sachgebiets Büro im Fachbereich Verwaltung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), formulierte es 2023 so: „Kommunikation kann die Konzentration stören. Daher ist auf geeignete Schirmung und ausreichend Abstand zwischen Kommunikationszonen und Büroflächen zu achten.“ Wie Kommunikationsbereiche beschaffen sein müssen, ergibt sich laut DGUV aus ihrer Funktion und der Art der Tätigkeit, die darin stattfinden soll.
Wie sich die Bürowelt verändert hat
Nina Heisinger, die gemeinsam mit Thomas Heisinger die Heisinger Büro- und Objekteinrichtung GmbH & Co. KG in Straubing führt, beschrieb die Verschiebung Anfang 2026 im Gespräch mit Wirtschaftsforum: „Während der Pandemie hat sich die Arbeitswelt nachhaltig verändert.“ Der Fokus habe sich deutlich verschoben, weg vom klassischen Einzelbüro, hin zu Flächen, die Zusammenarbeit ermöglichen. Gleichzeitig heißt es im selben Interview: Offene Strukturen müssen gezielt durch Rückzugsorte ergänzt werden, um dauerhaft konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen.
Die praktische Übung
Bevor Möbel, Akustikelemente oder Trennwände bestellt werden, lohnt eine Bestandsaufnahme der Tätigkeiten: Welche Arbeit braucht Austausch, welche braucht Ruhe? Erst aus dieser Antwort folgt, ob Abstand, eine Wand, ein eigener Raum oder schallschluckende Oberflächen das richtige Mittel sind. Die ORGATEC 2026 läuft noch bis Freitag, den dreißigsten Oktober in Köln.