Morning Brief
Investitionsflaute Mittelstand

Warten hat seinen Preis

Investitionsflaute im Mittelstand: Warum, wie der Mechanismus wirkt, was trotzdem nicht warten kann

Erschienen am 4:03 Min.Folge 76

Donnerstag, 15. Oktober 2026
Warten hat seinen Preis
0:004:03
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Worum es geht

Die Creditreform Wirtschaftsforschung hat vergangene Woche ihre Herbstumfrage 2026 unter rund 1.200 kleinen und mittleren Unternehmen vorgelegt. Das Ergebnis: Nicht einmal vier von zehn Mittelständlern planen derzeit eine Investition. Der Anteil von 37,3 Prozent ist der niedrigste seit zwanzig Jahren; im Vorjahr waren es noch 43,5 Prozent, im Jahr 2021 mehr als jeder Zweite. Beim Personal sieht es ähnlich aus: Per Saldo wurden seit drei Jahren keine zusätzlichen Stellen geschaffen. Zuletzt meldeten 14,5 Prozent der Unternehmen mehr Beschäftigte, 18,6 Prozent weniger.

Der Mechanismus dahinter

Zurückhaltung in einer schwachen Konjunktur ist keine Fehlentscheidung. Gestiegene Zinsen, anhaltende Unsicherheit und begrenzte Spielräume nach den Krisenjahren machen Abwarten für viele Betriebe rational. Das Problem: Die Investition, die ein Betrieb verschiebt, ist der Auftrag, der einem anderen fehlt. Wenn alle gleichzeitig vernünftig sind, verlängert sich die Flaute, auf deren Ende alle warten.

Besonders früh sichtbar wird das in der Zeitarbeit: ProServ aus Karlsruhe, Personaldienstleister für Produktion und Logistik an 12 Standorten, spürt früher als andere, wann die Nachfrage wegbricht und wann sie zurückkommt. Manuel Fink, einer der beiden Geschäftsführer, beschreibt es im Gespräch mit Wirtschaftsforum so: „Schließlich sind wir die Frühindikatoren im gesamtwirtschaftlichen Auf und Ab.“ Zeitarbeit werde auch die Erste sein, die mit neuen Personalkonzepten unterstützt, sobald die Konjunktur anzieht, denn der Fachkräftemangel bleibe ein Dauerthema.

Was das im Betrieb bedeutet

Der nächste Aufschwung kommt nicht mit freien Fachkräften. Er kommt mit denselben offenen Stellen wie heute, nur dass dann alle Betriebe gleichzeitig suchen. Wer heute eine erfahrene Kraft gehen lässt, sucht sie in zwei Jahren wieder, dann über eine Anzeige, einen Vermittler und gegen die Konkurrenz.

Praktisch lohnt es sich, die Liste aufgeschobener Vorhaben zu sortieren: Was später zum selben Preis erhältlich ist (Maschinen, Ausstattung), kann warten. Was mit jedem Monat verloren geht (Ausbildungsplätze, Kundenpflege, Schlüsselkräfte), sollte auch in einem schwachen Jahr einen festen Platz im Budget haben.

Die Zahl des Tages

37,3 Prozent der Mittelständler planen laut Creditreform-Herbstumfrage 2026 eine Investition. Im Vorjahr waren es 43,5 Prozent, im Jahr 2021 mehr als 50 Prozent. Beim Personal meldeten zuletzt 14,5 Prozent der Unternehmen mehr Beschäftigte und 18,6 Prozent weniger. Jedes dritte Unternehmen (33,0 Prozent) kommt auf eine Eigenkapitalquote unter 10 Prozent.

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Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.

In einer Flaute sagen fast alle Betriebe denselben vernünftigen Satz: Wir warten ab, bis es klarer wird. Der Satz ist so vernünftig, dass ihn kaum noch jemand hinterfragt.

Das Problem ist nur… es wird nie klarer. Es wird höchstens später.

Guten Morgen. Heute ist Donnerstag, der fünfzehnte Oktober, und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet.

Vergangene Woche hat die Creditreform Wirtschaftsforschung ihre Herbstumfrage unter rund zwölfhundert kleinen und mittleren Unternehmen vorgelegt. Nicht einmal vier von zehn planen derzeit eine Investition. So wenige waren es seit zwanzig Jahren nicht.

Beim Personal sieht es ähnlich aus. Per Saldo hat der Mittelstand seit drei Jahren keine zusätzlichen Stellen mehr geschaffen, und zuletzt haben mehr Betriebe Personal abgebaut als aufgebaut.

Die Gründe dafür sind nicht eingebildet. Die Zinsen sind gestiegen, die Lage ist unsicher, und viele Betriebe haben nach den Krisenjahren schlicht weniger Spielraum. Zurückhaltung ist in dieser Lage kein Fehler, und niemand sollte so tun, als wäre sie einer.

Nur hat das Warten eine Eigenschaft, die man leicht übersieht. Die Investition, die der eine Betrieb verschiebt, ist der Auftrag, der dem anderen fehlt. Wenn alle gleichzeitig vernünftig sind, wird daraus… genau die Flaute, auf deren Ende alle warten.

Unsere Lesart ist deshalb eine andere. Abwarten fühlt sich an wie Sparen… ist aber meistens nur Verschieben. Und manches, was man verschiebt, wird später nicht billiger, sondern ist gar nicht mehr zu haben.

Am deutlichsten zeigt sich das beim Personal, und am frühesten merken es die, die Personal verleihen. ProServ aus Karlsruhe vermittelt und verleiht von zwölf Standorten aus Arbeitskräfte an Produktion und Logistik, vom Staplerfahrer bis zur kaufmännischen Leitung.

Manuel Fink, einer der beiden Geschäftsführer, erlebt die Branche seit gut fünfundzwanzig Jahren von innen. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum beschreibt er ihre Rolle mit einem Satz, der weit über die Zeitarbeit hinausreicht: „Schließlich sind wir die Frühindikatoren im gesamtwirtschaftlichen Auf und Ab.“

Zeitarbeit wird in der Flaute als Erstes abbestellt. Und sie wird, so Fink, auch als Erstes wieder gebraucht, sobald die Konjunktur anzieht. Denn der Fachkräftemangel, sagt er, wird bleiben.

Genau darin liegt die Pointe für alle anderen. Der nächste Aufschwung kommt nicht mit freien Fachkräften. Er kommt mit denselben offenen Stellen wie vorher, nur dass dann alle Betriebe gleichzeitig suchen.

Wer heute eine erfahrene Kraft gehen lässt, um Kosten zu sparen, sucht sie in zwei Jahren wieder… dann über eine Anzeige, einen Vermittler und gegen die ganze Konkurrenz.

Die eigentliche Frage in der Flaute ist deshalb nicht, ob man investiert oder spart. Sie lautet, welche Ausgaben man nur verschiebt und welche man in Wahrheit streicht.

Eine neue Maschine lässt sich auch später noch kaufen, oft sogar zu besseren Bedingungen. Ein Ausbildungsplatz, der in diesem Jahr wegfällt, kommt nicht zurück. Dann fehlt in drei Jahren genau die Fachkraft, die man im Aufschwung bräuchte.

Genauso ist es mit Kunden, die man in der Flaute nicht mehr besucht, weil gerade nichts zu holen ist. Kunden warten nicht geparkt auf bessere Zeiten, sie kaufen dann eben… bei jemand anderem.

Praktisch heißt das, die Liste der aufgeschobenen Vorhaben einmal ehrlich zu sortieren. Auf die eine Seite gehört, was später zum selben Preis zu haben ist. Auf die andere, was mit jedem Monat Warten verloren geht, und das sind… meist Menschen und Wissen, selten Maschinen.

Für diese zweite Seite lohnt sich auch in einem schwachen Jahr ein fester Betrag. Nicht als Wette auf den Aufschwung, sondern damit man ihn überhaupt mitnehmen kann, wenn er kommt.

Abwarten ist in diesen Monaten fast überall die Regel. Den Unterschied machen im nächsten Aufschwung die Betriebe, die beim Warten nicht stillgestanden haben.

Das war Ihr Morning Brief. Bis morgen früh.

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