Morning Brief
Goldrückgewinnung aus Produktionsresten

Gold im Abfallbehälter

Goldpreis mehr als verdoppelt | Edelmetall in Produktionsresten | Abrechnung nach Analyse statt Gewicht

Erschienen am 3:57 Min.Folge 77

Freitag, 16. Oktober 2026
Gold im Abfallbehälter
0:003:57
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Worum geht es

Der Goldpreis hat sich seit Ende 2021 mehr als verdoppelt. Wer Produktionsreste mit Edelmetallgehalt pauschal nach Gewicht abgibt, verkauft den wertvollen Anteil mit Abschlag. Über den Erlös entscheidet der Gehalt, nicht das Gewicht, und den kennt man erst nach einer Analyse.

Akt 1: Was passiert ist

Ein Gramm Gold kostete am 14. Oktober 2026 knapp 118 Euro, Ende 2021 waren es 51,53 Euro (gold.de, Schlusskurs): mehr als das Doppelte in weniger als fünf Jahren. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat im September gemeldet: Edelmetallpreise lagen im August 2026 um 34,6 Prozent über dem Vorjahresmonat, Metalle insgesamt um 14,8 Prozent, Vorleistungsgüter um 6,1 Prozent. Destatis hebt Edelmetalle in der Pressemitteilung eigens hervor.

Akt 2: Wie es wirklich funktioniert

Edelmetalle stecken in Produktionsresten, die oft unsichtbar sind: Galvanikbäder, Schlämme und Filter, Stanzabfälle von Kontakten, Feilung und Gusskegel aus Dentallaboren, Elektronikschrott, Leiterplatten, Industrie- und Laborkatalysatoren. Werden sie gemischt mit anderem Metallschrott nach Gewicht abgerechnet, geht der Edelmetallanteil im Gesamtgewicht unter. Dan Mutschler, Geschäftsführer der WEGHV GmbH in Bönen (Westfalen), sagte vor einigen Jahren im Gespräch mit Wirtschaftsforum: „Wird bei der Beprobung nicht präzise und akkurat gearbeitet, kann das sehr teuer werden.“ Das Gramm Gold kostete damals 51 Euro. Heute ist derselbe Messfehler mehr als doppelt so teuer.

Akt 3: Was es im Betrieb bedeutet

Edelmetallhaltige Reste getrennt sammeln, nicht mit anderem Metall mischen. Beim Verkauf fragen, ob nach Analyse oder nach Pauschalpreis je Kilo abgerechnet wird. Die Analyse kann und sollte man sich zeigen lassen. Scheideanstalten und spezialisierte Ankäufer rechnen nach einer Analyse des Materials ab. Ein Abholvertrag mit Pauschalpreis lohnt eine erneute Prüfung.

Die Zahl des Tages

34,6 Prozent: So viel teurer waren Edelmetalle im August 2026 gegenüber August 2025, laut Destatis-Pressemitteilung Nr. 328 vom 18. September 2026. Metalle insgesamt stiegen um 14,8 Prozent, Vorleistungsgüter um 6,1 Prozent. Der Edelmetall-Posten fällt damit mehr als doppelt so stark aus wie der Metallindex insgesamt.

Eine Sache noch

Der Goldpreis ist 2026 nach dem Rekord im Winter (Allzeithoch Schlusskurs: 4.553,24 Euro je Feinunze) bis zum Sommer um rund ein Fünftel zurückgegangen und hat sich seither teils erholt. Die Jahresbilanz 2026 in Euro lag Mitte Oktober leicht im Minus. Wer Reste erst dann analysieren lässt, wenn der Preis wieder steigt, wartet womöglich vergeblich. Der Wert steckt im Material, nicht im Kalender.

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Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.

Wenn vom Goldpreis die Rede ist, denken die meisten an Barren im Schließfach. In vielen Betrieben liegt das teure Metall aber ganz woanders… im Behälter für die Produktionsreste.

Und von dort geht es oft nach Gewicht weg. Wie Schrott eben.

Guten Morgen. Heute ist Freitag, der sechzehnte Oktober, und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet.

Ein Gramm Gold kostet derzeit knapp hundertachtzehn Euro. Ende zweitausendeinundzwanzig waren es rund einundfünfzig. Der Preis hat sich seither also mehr als verdoppelt.

Das Statistische Bundesamt hat im September nachgerechnet, was das für die Betriebe heißt. Edelmetalle waren im August gut ein Drittel teurer als ein Jahr zuvor, und das Amt hebt sie unter den Vorprodukten eigens hervor.

Für alle, die Edelmetall einkaufen, ist das eine schlechte Nachricht. Für alle, bei denen es als Rest anfällt, ist es eine gute. Nur kommt diese gute Nachricht selten von allein im Betrieb an.

Gemeint ist mehr, als man zunächst denkt. In der Galvanik stecken Edelmetalle in Bädern, Schlämmen und Filtern, in Stanzereien im Abfall von Kontakten, in Dentallaboren in Feilung und Gusskegeln, dazu kommen Leiterplatten und verbrauchte Katalysatoren aus Chemie und Labor.

Unsere Lesart ist deshalb eine einfache. Ein Rest, in dem Edelmetall steckt, ist kein Abfall, sondern ein Rohstoff mit Tageskurs. Und wer ihn behandelt wie Abfall, verkauft das Gold darin… mit Rabatt.

Häufig, so ist unser Eindruck, liegt das schlicht am Organigramm. Der Einkauf kennt den Preis, zu dem das Edelmetall hereinkommt, die Entsorgung den Preis je Tonne, zu dem es wieder hinausgeht… und dazwischen fragt niemand, was im Behälter eigentlich steckt.

Wie viel dabei auf dem Spiel steht, weiß Dan Mutschler aus seinem eigenen Geschäft. Er ist Geschäftsführer der WEGHV im westfälischen Bönen, die Edelmetall als Abfallstoff ankauft, einschmilzt, analysiert und an Scheideanstalten weiterverkauft.

Im Gespräch mit Wirtschaftsforum hat er vor einigen Jahren einen Satz gesagt, der heute mehr wiegt als damals: „Wird bei der Beprobung nicht präzise und akkurat gearbeitet, kann das sehr teuer werden.“ Das Gramm Gold kostete damals einundfünfzig Euro.

Heute kostet derselbe Messfehler mehr als das Doppelte. Die Chemie ist dieselbe geblieben… nur der Preis für Ungenauigkeit nicht.

Genau darin liegt der Punkt für alle anderen Betriebe. Beim Edelmetall entscheidet nicht das Gewicht des Behälters über den Erlös, sondern der Gehalt, und den kennt man erst nach einer Analyse.

Edelmetallhaltige Reste gehören deshalb getrennt gesammelt, nicht mit anderem Metall vermischt. Gemischt geht der wertvolle Teil im Gewicht der übrigen Reste unter… und wird am Ende mitbezahlt wie sie.

Beim Verkauf lohnt die Frage, wie der Wert festgestellt wird. Scheideanstalten und spezialisierte Ankäufer rechnen nach einer Analyse ab, und diese Analyse kann man sich zeigen lassen. Ein Pauschalpreis je Kilo sagt dagegen nichts darüber, was man eigentlich verkauft hat.

Nicht jeder Betrieb hat solche Reste. Aber wo in Produktion, Handwerk oder Labor regelmäßig Edelmetall verarbeitet wird, lohnt sich ein ehrlicher Blick in die Ecke, in der die Reste stehen, und in die Verträge, mit denen sie abgeholt werden.

Der Goldpreis kann auch wieder fallen, in diesem Jahr ist er nach einem Rekord im Winter schon einmal deutlich zurückgegangen. Aber solange er so hoch steht, ist diese Ecke womöglich… der am schlechtesten verwaltete Rohstoff im ganzen Betrieb.

Wer an Gold denkt, denkt an Barren und Münzen. Manchmal liegt es viel näher, im eigenen Hof. Es muss nur jemand genau hinsehen.

Das war Ihr Morning Brief. Ein gutes Wochenende, und am Montag früh sind wir wieder da.

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