Worum geht es
Der Goldpreis hat sich seit Ende 2021 mehr als verdoppelt. Wer Produktionsreste mit Edelmetallgehalt pauschal nach Gewicht abgibt, verkauft den wertvollen Anteil mit Abschlag. Über den Erlös entscheidet der Gehalt, nicht das Gewicht, und den kennt man erst nach einer Analyse.
Akt 1: Was passiert ist
Ein Gramm Gold kostete am 14. Oktober 2026 knapp 118 Euro, Ende 2021 waren es 51,53 Euro (gold.de, Schlusskurs): mehr als das Doppelte in weniger als fünf Jahren. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat im September gemeldet: Edelmetallpreise lagen im August 2026 um 34,6 Prozent über dem Vorjahresmonat, Metalle insgesamt um 14,8 Prozent, Vorleistungsgüter um 6,1 Prozent. Destatis hebt Edelmetalle in der Pressemitteilung eigens hervor.
Akt 2: Wie es wirklich funktioniert
Edelmetalle stecken in Produktionsresten, die oft unsichtbar sind: Galvanikbäder, Schlämme und Filter, Stanzabfälle von Kontakten, Feilung und Gusskegel aus Dentallaboren, Elektronikschrott, Leiterplatten, Industrie- und Laborkatalysatoren. Werden sie gemischt mit anderem Metallschrott nach Gewicht abgerechnet, geht der Edelmetallanteil im Gesamtgewicht unter. Dan Mutschler, Geschäftsführer der WEGHV GmbH in Bönen (Westfalen), sagte vor einigen Jahren im Gespräch mit Wirtschaftsforum: „Wird bei der Beprobung nicht präzise und akkurat gearbeitet, kann das sehr teuer werden.“ Das Gramm Gold kostete damals 51 Euro. Heute ist derselbe Messfehler mehr als doppelt so teuer.
Akt 3: Was es im Betrieb bedeutet
Edelmetallhaltige Reste getrennt sammeln, nicht mit anderem Metall mischen. Beim Verkauf fragen, ob nach Analyse oder nach Pauschalpreis je Kilo abgerechnet wird. Die Analyse kann und sollte man sich zeigen lassen. Scheideanstalten und spezialisierte Ankäufer rechnen nach einer Analyse des Materials ab. Ein Abholvertrag mit Pauschalpreis lohnt eine erneute Prüfung.
Die Zahl des Tages
34,6 Prozent: So viel teurer waren Edelmetalle im August 2026 gegenüber August 2025, laut Destatis-Pressemitteilung Nr. 328 vom 18. September 2026. Metalle insgesamt stiegen um 14,8 Prozent, Vorleistungsgüter um 6,1 Prozent. Der Edelmetall-Posten fällt damit mehr als doppelt so stark aus wie der Metallindex insgesamt.
Eine Sache noch
Der Goldpreis ist 2026 nach dem Rekord im Winter (Allzeithoch Schlusskurs: 4.553,24 Euro je Feinunze) bis zum Sommer um rund ein Fünftel zurückgegangen und hat sich seither teils erholt. Die Jahresbilanz 2026 in Euro lag Mitte Oktober leicht im Minus. Wer Reste erst dann analysieren lässt, wenn der Preis wieder steigt, wartet womöglich vergeblich. Der Wert steckt im Material, nicht im Kalender.