Der gesprochene Text der Folge im Wortlaut. Die Sprecherstimme ist synthetisch, Themenauswahl, redaktionelle Kontrolle und inhaltliche Verantwortung liegen bei der Redaktion des Wirtschaftsforum.
Vergangene Woche ist in Texas ein Sportwagen eine geschwungene Rampe hinaufgefahren, bis er kopfüber hing. Dann hat er abgehoben, sich in der Luft gedreht und ist auf allen vier Rädern gelandet. An Bord war niemand. So hat Elon Musk den neuen Tesla Roadster vorgestellt.
Man kann kaum wegsehen. Und genau das ist das Handwerk einer guten Vorführung… sie lässt einen anschauen, was gelingt.
Wer kauft, sollte sich allerdings auch den Rest zeigen lassen.
Guten Morgen. Heute ist Dienstag, der zwanzigste Oktober, und das ist der Morning Brief von Wirtschaftsforum. Was der Tag für Ihr Unternehmen bedeutet.
Heute geht es um eine sehr handfeste Frage aus dem Betrieb. Wen haben Sie eigentlich ermächtigt, Ihr Geld auszugeben?
Künstliche Intelligenz macht gerade einen Schritt, der in den Angeboten der Anbieter wunderbar klingt. Vom Assistenten zum Agenten. Und in manchen Verkaufspräsentationen ist sie schon zum Mitarbeiter geworden.
Drei Wörter, die man besser auseinanderhält, bevor man das Programm mit dem Firmenkonto verbindet. Nehmen wir eine Rechnung.
Ein Assistent kann sie lesen, mit der Bestellung abgleichen, auf eine Abweichung hinweisen und die Zahlung vorbereiten. Dann wartet er. Ein Mensch prüft und gibt frei.
Ein Agent kann die Erlaubnis haben, die ganze Kette zu Ende zu bringen, bis zur Überweisung. Wie viel er allein tun darf, hängt von den Befugnissen ab, die man ihm gibt.
Axel Rebien ist einer der beiden Geschäftsführer der Serrala Group, die Software für Finanzabteilungen entwickelt und solche Agenten selbst baut. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum beschreibt er es so: „Autonom bedeutet, dass eine Eingangsrechnung komplett ohne manuelle Eingriffe überprüft, gebucht und gezahlt wird.“
Das letzte Wort verdient einen Moment Aufmerksamkeit. Gezahlt. Wenn man das Programm öffnet, um nachzusehen, wie es gelaufen ist… kann das Geld schon weg sein.
Der Vorteil liegt auf der Hand, für alle, die schon einen Nachmittag lang Freigaben für immer gleiche Rechnungen hinterhergelaufen sind. Da sind Stunden zu holen, Verzögerungen zu vermeiden und Menschen von eintöniger Arbeit zu entlasten.
Und diese Möglichkeit steht in den Betrieben schon auf dem Plan. Laut dem Digitalverband Bitkom setzen von den Unternehmen, die Künstliche Intelligenz nutzen oder ihren Einsatz erwägen, elf Prozent bereits Agenten ein. Neunundzwanzig Prozent planen es.
Deshalb lohnt es sich, heute darüber nachzudenken. Die Befugnisse legt man fest, während man das System auswählt. Nach der ersten falschen Zahlung… hat die Besprechung einen anderen Ton.
Hier hilft das dritte Wort weiter. Mitarbeiter.
Das ist eine ziemlich geschickte Wahl im Verkauf. Eine Software konfiguriert man. Von einem Kollegen erwartet man, dass er versteht, wie die Dinge laufen.
Dass er etwa weiß, dass dieser eine Kunde immer zu spät zahlt, aber vorher anruft. Dass eine eilige Anweisung des Chefs fünf Minuten warten kann, wenn etwas nicht stimmt. Dass der Lieferant vielleicht wirklich die Bank gewechselt hat, man ihn aber besser kurz anruft.
Dieses Wissen, dieses Zögern, diese Kontrollen gehören zur Arbeit, auch wenn sie in keiner Stellenbeschreibung stehen. Nennt man ein Programm einen Kollegen, hält man sie leicht für im Preis inbegriffen.
Andererseits würde man auch einer neu eingestellten Kraft nicht den Zugang zu den Zahlungen geben und sie damit machen lassen, was sie für richtig hält. Man würde ihr sagen, bis zu welchem Betrag sie freigeben darf, welche Fälle sie vorlegen muss und an wen sie sich wendet, wenn sie zweifelt.
Ein Agent braucht dieselbe Genauigkeit. Und diese Regeln müssen im System eingestellt sein. In der Projektpräsentation nützen sie wenig.
Ändern wir also die Vorführung.
Bringen Sie zum nächsten Termin mit einem Anbieter eine Rechnung mit, in der etwas nicht stimmt. Der Name ist der eines vertrauten Lieferanten, der Betrag passt. Nur die Bankverbindung ist eine andere.
Das kann alles in Ordnung sein. Es kann auch Betrug sein.
Lassen Sie sich zeigen, was dann passiert. Hält die Zahlung an? Wer wird benachrichtigt? Wie wird die neue Bankverbindung geprüft? Und wer darf die Zahlung wieder freigeben?
Bleiben Sie bei diesem Fall, bis die Antwort klar ist. Dort sieht man, wie viel Arbeit beim eigenen Betrieb bleibt… und wie viel wirklich dem Programm übertragen wurde.
Dann gehört die Rechnung zu Ende gerechnet. Von den gesparten Stunden gehen die ab, die man braucht, um Ausnahmen zu prüfen und Fehler zu korrigieren. Muss jemand jeden Schritt nachvollziehen, um dem Ergebnis zu trauen, gehört diese Zeit ins Angebot, auch wenn der Anbieter sie nicht hineinschreibt.
Anfangen lässt sich mit einer klar umgrenzten Aufgabe und knappen Befugnissen, die man erweitert, wenn die Ergebnisse es rechtfertigen. Die gewöhnlichen Vorgänge laufen durch. Die ungewöhnlichen landen bei einem Menschen, der Zeit und Befugnis hat, zu entscheiden.
Und dieser Mensch braucht einen Namen. Der Satz, darum kümmert sich die Buchhaltung, funktioniert wunderbar… solange die Buchhaltung nicht gerade in der Mittagspause ist.
Wenn wir Ihnen heute einen Gedanken mitgeben dürfen, dann diesen. Nehmen Sie eine Aufgabe, die Sie der Künstlichen Intelligenz anvertrauen möchten, und schreiben Sie genau auf, in welchem Fall sie anhalten und Sie rufen soll.
Fällt es schwer, diesen Fall zu beschreiben, dann ist die erste Arbeit schon gefunden.
Musk hat uns ein Auto gezeigt, das nach einem Salto sicher landet. Wenn der nächste Anbieter zeigt, dass sein Agent eine Rechnung bezahlen kann, fragen Sie nach der anderen. Lassen Sie sich die Rechnung zeigen, die er liegen lässt. Und dann erklären, warum.
Das war Ihr Morning Brief. Bis morgen früh.